APRILIA DRÄNGT AUF AUFRÄUMARBEITEN IN DER „TOXISCHEN“ WERKSTATTATMOSPHÄRE, WÄHREND MARC MARQUEZ AUF DEN 2026-TITEL AUFHOLT
3h ago·

Aprilia-CEO Massimo Rivola hat davor gewarnt, dass das Team interne Probleme lösen muss, um zu verhindern, dass Marc Marquez den MotoGP-Titel 2026 holt. Während die Saison in die Sommerpause geht, führt Jorge Martin die Aprilia-Offensive in der Tabelle an, doch Marquez hat den Rückstand inzwischen verkürzt und ist wieder im Titelkampf.
Nach den ersten 11 Rennen steht Martin mit 208 Punkten an erster Stelle. Marquez, der nach einer Operation an einer Schulterverletzung, die seine frühe Saisonphase gestört hatte, wieder in Form gekommen ist, liegt mit 18 Punkten Rückstand auf Martin auf Rang drei. Ai Ogura, der für Trackhouse auf einer Satelliten-Aprilia fährt, befindet sich zwischen beiden im Kampf um die Spitze und kommt auf 194 Punkte. Marco Bezzecchi ist dagegen auf den vierten Platz abgerutscht (186 Punkte). Rivolas Sorge: Die Titelhoffnungen von Aprilia seien nicht nur durch Ergebnisse, sondern auch durch eine von ihm als „toxische Atmosphäre“ beschriebene Stimmung in der Boxengasse untergraben worden.
Laut der italienischen Ausgabe von Motorsport.com sei Aprilia in die Pause mit dem Werksteam in „Unordnung“ gegangen. Rivola glaubt, dass sich die Lage so weit verschärft hat, dass selbst Techniker und Mechaniker nicht mehr an einem Strang ziehen. Als Beispiel nennt er einen Kommunikationsbruch zwischen Martin und Bezzecchi nach dem Ungarn-Grand-Prix, als die beiden sich Berichten zufolge gegenseitig den Kontakt abgebrochen hätten.
Der Einbruch von Bezzecchi ist dramatisch. Nachdem er Marquez nach Runde sieben noch um 102 Punkte angeführt hatte, holte er seitdem nur noch 13 Zähler. Abstürze und schwache Wochenenden haben seinen Vorsprung aufgezehrt. Der Bericht macht den Beginn des Niedergangs unter anderem daran fest, dass Martin in Balaton Park in Bezzecchi hineingefahren ist. Danach folgten weitere Rückschläge, darunter Stürze beim Sprint in Tschechien, beim Dutch Grand Prix sowie in der Qualifikation in Deutschland.
Rivolas Botschaft: Aprilia muss geschlossen handeln statt in getrennten Strukturen. Er hält weiterhin ein Szenario für möglich, in dem der Titelkampf „drei gegen eins“ läuft – also Martin, Bezzecchi und Ogura gegen Ducatis Marquez. Gleichzeitig argumentiert er jedoch, dass Aprilia nur dann den Titel gewinnen kann, wenn die „Toxine“ entfernt werden, die seiner Ansicht nach die Chancen des Teams beschädigen.
Im Mittelpunkt dieses Plans stehen mehr Zusammenhalt und technische Zusammenarbeit. Rivola fordert konkret, dass Martin, Bezzecchi und Ogura nach der Sommerpause „ihre Daten teilen“ und gemeinsam arbeiten – statt jeweils eigene Wege zu gehen. Ziel sei es, sicherzustellen, dass Aprilia die Leistung der RS-GP bestmöglich ausschöpfen kann.
Die Sommerpause bringt zudem Unsicherheit rund um die Fitness. Aprilia muss damit rechnen, dass die beiden Werksfahrer möglicherweise wieder in den Einsatz zurückkehren, ohne körperlich vollständig bereit zu sein. Martin, so der Bericht, sei vor der Pause nicht bei 100 Prozent gewesen; die Nachwirkungen einer verletzungsgeplagten Saison 2025 wirken noch immer nach.
Bezzecchis Situation ist dagegen akuter. Er soll beim British Grand Prix vom 7. bis 9. August zurückkehren, nachdem er sich vom German Grand Prix zurückgezogen hatte, um sich an der Schulter operieren zu lassen. Der Italiener hatte sich in der Qualifikation einen vollständigen und dislozierten Bruch des linken Schlüsselbeins zugezogen. Erst am Mittwoch kehrte er zum Training auf einer RSV4 in Misano zurück – im Rahmen seines Plans, für Silverstone bereit zu sein. Bevor er wieder in die Aprilia-Box zurückkehren kann, wird das Team einen Fitness-Check benötigen.
Während sich der Rückenwind für Ducati aufbaut und gleichzeitig die internen Spannungen bei Aprilia wachsen, ist Rivolas Priorität klar: Harmonie wiederherstellen, Fahrer und Team ausrichten und die „toxische Atmosphäre“ beseitigen, die seiner Überzeugung nach verhindert, dass Aprilia Marquez mit einem geschlossenen Angriff herausfordert.