BEZZECCHIS EINBRUCH, ZARCO-CRASH IN KATALONIEN UND YAMAHAS PROBLEME PRÄGEN DEN FRÜHEN TIEFSTAND 2026
1d ago·
Die MotoGP-Saison 2026 hat bereits eine Reihe dramatischer Wendungen hervorgebracht: Mehrere Fahrer und Teams erleben laut Speedweek die bislang größten Mid-Season-Rückschläge des Sports – mit Schmerzen, Frust und in manchen Fällen Momenten, die die Titelhoffnungen faktisch beendeten.
Am deutlichsten zeigt Marco Bezzecchis Sturz, wie schnell Momentum verschwinden kann. Speedweek erinnert daran, dass der Italiener im Aprilia-Werksteam wie der natürliche Nachfolger im Titelkampf wirkte: Nach einem Sturz im ersten Sprint des Jahres lieferte er weiterhin starke Ergebnisse, nahm Mugello als „italienischer Held“ mit, führte die Gesamtwertung und schien Marc Marquez im Griff zu haben. Doch nach nur vier Rennen kippte die Lage. Nach dem Balaton-Event begann die „Albtraum“-Phase erst richtig. Bezzecchi wurde beim Ungarn-GP unglücklich von einem Teamkollegen aus dem Rennen genommen – eine Erinnerung an Japan 2025. Danach folgte der mentale Tiefpunkt in Brno: Speedweek hält fest, dass Bezzecchi vor seinem Sturz im Sprint bereits 31 Punkte auf Marquez verloren hatte, ehe er anschließend auch die Kontrolle über sich selbst verlor. Der Vorfall beinhaltete eine Ohrfeige für den Streckenposten/Marshal; Speedweek sagt, dass das weithin bekannt wurde und dazu führte, dass Bezzecchi für den GP gesperrt wurde – als „großes Geschenk“ an die Verfolger beschrieben. Mit Bezzecchi an der Seite „stiehlt“ Marquez die nächsten 25 Punkte und entscheidet den Titelkampf.
Der Absturz geht weiter: Speedweek berichtet von schweren Stürzen in Assen und auf dem Sachsenring sowie von null Punkten in drei weiteren Rennen – damit endet Bezzecchis Zeit auf dem ersten Platz. Nach bereits erfolgter OP startet sein England-Restart nicht nur von ganz unten, sondern auch 22 Punkte Rückstand hinterher: ein „Superhelden“-Niveau des Abstiegs, das Speedweek zufolge in der MotoGP selten ist.
Johann Zarcos Rückschlag ist vom Ton her anders, aber ebenso hart. Speedweek betont, dass die Popularität des Franzosen nach seinem Le-Mans-Sieg 2025 stark anstieg und dass der Aufschrei in Catalunya sofort kam. Zarco stürzte Sekunden nach dem zweiten Rennstart, traf dabei Schotter in einer Situation, die Speedweek als enge, chaotische Interaktion mit Bagniaias Werks-Ducati rahmt. Der Bericht unterstreicht die Schwere des Aufpralls – sein linkes Knie sei „zerstört“ – zugleich heißt es aber, dass er sich aktuell erholen soll. Speedweek schreibt, dass ein Comeback-Versuch im September diskutiert wird und dass Ärzte davon ausgehen, Zarco könne zu 100% Leistungsfähigkeit zurückkehren.
Auch sportlich wird im Bericht klar gemacht: Sobald Zarco in der Bremsphase die Kontrolle verlor, war die Saison aus Sicht des Wettbewerbs praktisch vorbei – selbst wenn die medizinische Prognose positiv ist.
Yamahas Probleme werden derweil als systemisch statt als nur momentane Krise dargestellt. Speedweek verweist darauf, dass Yamaha große Hoffnungen hatte – nicht nur wegen der Einbindung von Fabio Quartararo in die technische Ausrichtung, sondern auch, weil das Unternehmen bis Ende 2025 vom Reihenvierer abgegangen war und sich auf eine neue V4-Power-Unit für die 850-ccm-Ära 2027 vorbereitet hatte. Doch nach zehn Monaten sei die Stimmung im Yamaha-Lager „düster“. Speedweek nennt eine Herstellerbilanz von nur 69 Punkten: Damit liegt das zweite Team ganz unten in der Tabelle und weit hinter dem Tempo des Vorjahres – 133 Punkte zum Sommer-Break.
Fabio Quartararo bleibt in 2026 Yamahas bester Fahrer und steht auf Platz 14 der Gesamtwertung, während die übrigen M1-Piloten laut Speedweek „unter anderen Umständen“ kämpfen. Zudem habe Toprak Razgatlioglu, ein Rookie mit Superbike-Erfahrung, eine besonders harte Realität erlebt: Er habe erwartet, dass Yamaha konkurrenzfähig sein würde, doch das MotoGP-Paket habe eine negative Überraschung geliefert.
Joan Mirs 2026-Geschichte ist eine Rückentwicklung bei der Konstanz. Speedweek erinnert daran, dass Mir zum Ende von 2025 einen klaren Aufwärtstrend gezeigt hatte – mit dritten Plätzen in Japan und Malaysia. In 2026 setzt sich diese Verbesserung jedoch nicht fort: Speedweek sagt, Mirs Problem sei zur Crash-Häufigkeit geworden. In der ersten Saisonhälfte stürzte er 15-mal, und das Muster sei besonders schädlich, weil viele dieser Stürze in den wichtigsten Rennen passierten. Speedweek berichtet, dass er in Sprints sechs Mal und in Grand Prix sechs Mal stürzte – damit liegt er nur noch auf Rang 18.
Trotzdem stellt Speedweek Mir in einer Hinsicht als Gewinner dar: seine Vertragslage. Trotz des Chaos sicherte er sich eine Vereinbarung mit dem privaten Ducati-Team von Nadia Padovani (Gresini). Der Bericht stellt das als Ausgleich für die anhaltende Zerstörung des Werks-Honda-Projekts dar.
Zum Schluss wird Mavericks Viñales’ KTM-Kapitel als vielversprechender Plan beschrieben, der an Verletzung und Timing zerbrach. Speedweek sagt, dass die ersten Zeichen in 2025 auf eine starke Partnerschaft 2026 hindeuteten: Bereits bei seinem vierten RC16-Einsatz überholte Viñales in Katar die Ducati Lenovo-Ducatis, holte P1 und lag mehr als zehn Sekunden vor Pedro Acosta. Danach folgte ein starkes viertes Ergebnis in Jerez. Berichten zufolge wurden bereits Pläne diskutiert, ihn in das KTM-Werksteam zu holen.
Der Wendepunkt kam jedoch, nachdem Viñales sich beim Deutschland-GP 2025 die Schulter verletzte. Speedweek berichtet, dass er sich seitdem nicht vollständig erholt habe und dass der Frust darüber wuchs, den entscheidenden letzten Prozentsatz an Performance zu verpassen. Da KTM zeitlich eingeschränkt war, verlagerte man den Fokus auf Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio und bot Viñales anschließend ein „Plan B“ an – mit Tech3. Speedweek berichtet, dass Viñales das Angebot ablehnte – ebenso wie die Traditionsteams aus Südfrankreich. Damit sei sein eigener Weg zurück in die Zukunftspläne von KTM faktisch beendet.