CARLO PERNAT SIEHT, DASS FRANCO MORBIDELLIS PORTIMAO-STURZ SEINE MENTALITÄT GESCHÄDIGT HAT
2h ago·

Der erfahrene Paddock-Insider Carlo Pernat ist überzeugt, dass die MotoGP-Saison von Franco Morbidelli nicht nur durch das Material geprägt wurde. Er verweist auf einen schweren Sturz in Portimão und auf die mentale Wirkung, die er danach bei dem Italiener ausgemacht hat. Pernat, der unter anderem Enea Bastianini und Andrea Iannone betreut hat, sagte Speedweek, Morbidelli sei „mental aus dem WM-Geschehen raus, nicht nur in Bezug auf die Fahrkünste“, und ergänzte: „Schade, denn früher, in seinen Yamaha-Zeiten, war er ganz vorne mit dabei.“
Seine Einschätzung verknüpft Morbidellis aktuelle Probleme mit einer Kopfverletzung, die er in Portimão bei Testfahrten vor der Saison 2024 erlitten habe. Zwar sei Morbidelli einen Monat später zum Saisonstart zurückgekehrt, doch Pernat sagt, er sei seitdem nicht mehr derselbe. „Meiner Meinung nach hat ihn dieser berühmte Crash in Portimão wirklich getroffen“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob er noch unter den Nachwirkungen leidet. Aber irgendetwas hat sich in seinem Kopf verändert, denn er ist nicht mehr der Fahrer, den wir kannten.“
Der Moto2-Champion von 2017, der 2020 in der MotoGP-WM mit einer Satelliten-Yamaha Zweiter wurde, geht in die Sommerpause auf Rang 16. Die Bilanz in dieser Saison ist schwierig: Er kämpft mit einer Ducati GP25 aus dem Vorjahr, sein einziger Podiumsplatz überhaupt kam beim nassen Jerez-Sprint. Pernat sprach zudem von Problemen in der Qualifikation und betonte, dass Morbidelli in sechs von elf Rennen nicht in Q2 gekommen sei.
Trotz des düsteren Leistungsbilds betonte Pernat, dass Morbidelli im Teamumfeld nicht an Unterstützung fehle. „Man darf nicht vergessen, dass er in einem Team mit renommierten Ingenieuren fährt“, sagte er. „Bei VR46 sind das alles ehemalige Valentino-Techniker. Das ist ein starkes, gut organisiertes Team. Franco hat die volle Unterstützung von Valentino, der auch sein Freund ist.“ Gleichzeitig argumentierte er, das Problem liege eher intern als strukturell: „Was den mentalen Aspekt betrifft, sagt man in Italien: ‚Die Kette ist seit ein paar Jahren gebrochen‘. Ich mag es nicht so zu sagen, aber er ist vielleicht gar kein Rennfahrer mehr.“
Mit Blick auf die stark diskutierte Zukunft Morbidellis sagte Pernat, er hoffe, der Fahrer könne weiterhin einen Platz zum Weitermachen finden – konkret nannte er die Superbike-WM. „Meine Einschätzung zu Morbidellis erster Saisonhälfte ist leider unbefriedigend“, sagte er. „Ich hoffe aber, dass er, wenn er weitermachen will, einen Platz in der Superbike-Weltmeisterschaft findet.“
Auch die Sitzsituation ist ein großes Thema: Morbidelli wird erwartet, seinen VR46-Platz am Saisonende zu verlieren. Als Nachfolger gilt der dominierende WorldSBK-Star und Ducati-Testfahrer Nicolo Bulega. Der Bericht verweist zudem auf den engen, aber sich inzwischen verschiebenden internen Vergleich bei VR46: Letzte Saison lagen Morbidelli und Fabio Di Giannantonio nur durch 31 Punkte getrennt, Morbidelli holte vier Podien, darunter auch Sprints. In diesem Jahr ist das Duell jedoch einseitig geworden: Di Giannantonio hat Morbidelli in der Qualifikation 10:1 übertroffen und führt in Rennen, in denen beide Fahrer gewertet wurden, 15:1.
Di Giannantonios stärkere Form hat ihm ein lukratives Werks-Engagement bei KTM gesichert, während Morbidelli keinen neuen Vertrag in der Tasche hat. Angesichts der Möglichkeit eines Tauschgeschäfts mit Bulega als Weg zu einem WSBK-Ride im Titelkampf bleibt der lange Schatten des Portimão-Sturzes – und Pernats Bild von einer „gebrochenen mentalen Kette“ – im Zentrum der Diskussion um Morbidellis MotoGP-Zukunft.