PIRELLI-CHEF SAGT, BRNO-TEST SEI WICHTIG, DA MOTOGP ZU DEN REIFENREGELN FÜR DIE NÄCHSTE SAISON WECHSELT
3h ago·
Ein erster Test in Brünn (Tschechien) am 22. Juni bot den führenden MotoGP-Teams und Pirelli einen seltenen, gemeinsamen Blick auf die nächste Generation der Premier-Klasse. Auf der Strecke waren mehrere Stammfahrer mit 850-ccm-Motoren, reduzierter Aerodynamik, ohne Verstellbarkeit der Sitzhöhe im Chassis sowie mit Pirelli-Reifen – ein früher Schritt in Richtung des Übergangs zur Reifen-Monopolstellung von Pirelli ab der kommenden Saison, die Michelin ersetzt.
Der Test wurde zudem als „Realitätscheck“ für die Hersteller und für Pirellis Entwicklungsprogramm eingeordnet. In Brünn setzte Ducati den amtierenden Weltmeister Marc Marquez und Fermin Aldeguer ein, Aprilia Marco Bezzecchi und Raul Fernandez, Honda Joan Mir und Luca Marini sowie Yamaha Toprak Razgatlioglu und Augusto Fernandez. KTM brachte Pedro Acosta, Dani Pedrosa und Pol Espargaro in den Test.
Pirellis Racing-Boss Giorgio Barbier erklärte, warum koordinierte Tests heute wichtiger denn je sind. Er verwies darauf, dass sich die Unterschiede zwischen den Herstellern früher deutlich stärker bemerkbar gemacht hätten, als der Superbike-Sport auf Serienreifen umstellte: Jede Marke lieferte ihre eigenen Lösungen – teils sogar maßgeschneiderte Prototypen für einzelne Fahrer oder Teams. „Heute ist jeder daran gewöhnt, dass alle das gleiche Material haben“, sagte Barbier.
Dieser Wandel mache die Entwicklung einfacher. Da MotoGP bereits länger unter einem Single-Tyre-Framework läuft, seien Teams und Ingenieure daran gewöhnt, innerhalb derselben Reifenspezifikationen zu arbeiten. Barbier betonte, dass das Pirelli hilft, seinen Ansatz zu verfeinern: Das Unternehmen biete den Herstellern zunächst verschiedene Optionen an und wähle später das Sortiment aus, das zum Einsatz kommt. Brünn sei besonders wichtig gewesen, weil Pirelli die wertvollsten Rückmeldungen sammeln konnte, da alle Hersteller am selben Tag testeten. In seiner Sicht könnte ein versetztes Testen auf unterschiedlichen Strecken – etwa eine Gruppe in Sepang und eine andere in Mugello – die Richtung verwischen, die Pirelli einschlagen muss. „Dann wissen wir vielleicht nicht, in welche Richtung wir gehen müssen“, sagte Barbier. Das könne zudem zu Fehlanpassungen führen: Beispielsweise könnte der „richtige“ Reifen für eine Strecke entwickelt werden, während die Anforderungen eines anderen Herstellers für eine andere Strecke priorisiert werden.
Auf die Frage, ob Ducati, Honda oder Yamaha sich aufgrund ihrer Vertrautheit mit Pirelli bereits einen Vorteil sichern könnten, warnte Barbier davor, in dieser frühen Phase der Vorbereitung Schlüsse zu ziehen. „In dieser Phase der Vorbereitung kann man das nicht sagen“, antwortete er. Was er jedoch sehe: Die Teams arbeiteten insgesamt auf sehr hohem Niveau. Besonders hob er KTM- und Ducati-Testteams hervor und sagte, er arbeite gern mit ihnen, weil sie „auf dem höchsten Wissensniveau“ seien.
Barbier beschrieb eine disziplinierte Testhaltung: Wenn Teams Änderungen bei Aerodynamik, Elektronik oder dem Reifenverhalten untersuchen wollen, konzentrieren sie sich auf genau diese Bereiche, statt mehrere neue Konzepte auf einmal auszuprobieren. Außerdem lobte er die Einstellung der Testfahrer: Sie wüssten genau, was sie tun müssten. Laut Barbier kommt diese Professionalität Pirellis Arbeit zugute, weil das Feedback klarer und besser verwertbar werde.
Mit heißen Bedingungen in Brünn, die alle an die Leistungsgrenze brachten, diente der Test sowohl als technischer Prüfpunkt für die 850-ccm-Richtung der Hersteller als auch als entscheidender Datenmoment für Pirelli, das ab der kommenden Saison die Rolle als Reifenlieferant der Premier-Klasse übernimmt.