TARDOZZI SAGT, QUARTARARO KÖNNTE FÜR DUCATI IN DER 850CC-HONDA-ÄRA ZU EINEM GROSSEN PROBLEM WERDEN
2h ago·

Ducati-Teamchef Davide Tardozzi ist überzeugt, dass Fabio Quartararo im neuen MotoGP-Format mit 850 ccm ab 2027 „wirklich stark“ genug ist, um sofort für Wirkung zu sorgen. Entscheidend sei jedoch, wie Honda den Franzosen nach seinem Wechsel von Yamaha betreut.
Quartararo verlässt das Yamaha-Werksteam zum ersten Mal in seiner MotoGP-Karriere Ende 2026 und unterschreibt einen Zweijahresvertrag bei Honda für 2027. Der 2021er Weltmeister habe das Vertrauen in die Ausrichtung von Yamaha verloren und setzt darauf, dass das große regulatorische Reset im Sport den Weg für eine Rückkehr an die Spitze für Honda und andere öffnet. Der MotoGP-Umbruch 2027 umfasst eine Reduzierung der Motorleistung von 1.000 ccm auf 850 ccm sowie ein Verbot von Ride-Height-Geräten. Das Regelpaket bringt zudem weitere Aero-Einschränkungen mit sich, was Tardozzi als möglichen Faktor dafür sieht, wie gut Quartararos natürlicher Fahrstil auf die neuen Maschinen übertragbar ist.
Im Fahrerlager gibt es Spekulationen, Quartararos Ansatz könnte nicht zu den Eigenschaften der 850er Bikes passen. Tardozzi weist diese Idee jedoch zurück und sagt, er erwarte, dass der Nice-Bewohner bei Ankunft der neuen Regeln wieder auf seinem besten Niveau sein wird. Die Herausforderung sei dabei weniger „Roh-Talent“, sondern vor allem die Art, wie ein Fahrer innerhalb der Teamstruktur betreut wird.
„Es ist ein Wettbewerb, und die Rivalen sind sicherlich gut. Die zeigen das in diesem Jahr“, sagte Tardozzi gegenüber Misterhelmet. Er fügte hinzu, dass die nächste Saison und die darauf folgende noch enger werden: „Ich glaube, es wird nächstes Jahr noch wettbewerbsfähiger.“
Anschließend lenkte Tardozzi den Fokus auf das aus seiner Sicht entscheidende Kriterium für die WM-Chancen: den richtigen Fahrer auszuwählen und ihn korrekt zu unterstützen. „Die eigentliche Fähigkeit liegt darin, die Fahrer auszuwählen, von denen du glaubst, dass sie den Weltmeistertitel nach Hause bringen können“, sagte er. „Ich glaube, dass wir für das nächste Jahr – also eigentlich für die nächsten zwei Jahre – ein wirklich, wirklich starkes Team haben. Wirklich, wirklich stark.“
Auch wenn er zugibt, dass andere Fahrer ebenfalls um Siege und Titel kämpfen können, hob Tardozzi Quartararos Fähigkeit hervor, Probleme zu verursachen, falls Honda das Management richtig hinbekommt. „Allerdings will ich nicht andeuten, dass es keine anderen starken Fahrer gibt, denn die gibt es natürlich“, fuhr er fort. „Zum Beispiel wird Fabio nächstes Jahr unglaublich wettbewerbsfähig sein.“
Tardozzis Einschätzung zum Quartararo-Limit fällt dabei klar aus: „Ich glaube, Fabio Quartararo ist ein Super-, Super-, Hyper-Talentierter, der – wenn man ihn auf die richtige Art managt – Kopfschmerzen bereiten kann. Und zwar große.“
Er verwies zudem auf die breitere Konkurrenz: Marco Bezzecchi habe bereits „bewiesen, dass er sehr gut ist“, nannte aber keine weiteren Anwärter. „Ich werde sie nicht alle jetzt nennen“, sagte er.
Quartararos Ducati-Vergangenheit unterstreicht, warum Tardozzi eine vertraute Art von Bedrohung erwartet. Der Franzose war in den Saisons 2021 und 2022 Ducatis härtester Rivale: 2021 gewann er den Titel, indem er Francesco Bagnaia schlug, 2022 verpasste er den Triumph nur knapp. Doch ein dritter direkter Titelkampf zwischen Quartararo und Ducati ist bislang nicht zustande gekommen: Während Yamaha vorne an Boden verlor, baute Ducati eine längere Phase der Dominanz auf.
Tardozzis Aussagen spiegeln auch wider, wie Quartararo sich an die Probleme von Yamaha angepasst hat. Der Bericht hält fest, dass Quartararo die Jahre des Yamaha-Leidens zu seinem Vorteil genutzt hat: Er habe sich als Fahrer verbessert, indem er das Maximum aus der YZR-M1 herausgeholt hat – sowohl aus dem Inline-Four als auch daraus, wie das Motorrad von ihm Arbeit verlangt, insbesondere im Qualifying und beim Bremsen. Dort habe er versucht, Gelegenheiten zu schaffen, um im Kampf zu konkurrieren.
Da Yamahas Rückgang Quartararo dazu drängt, nach Vertragsende weiterzugehen, gilt seine Rolle bei Honda als zentral. Die Quellen berichten, dass er bei Honda der wichtigste Mann neben entweder Diogo Moreira oder David Alonso sein wird, während der jeweils andere um Rennen für LCR kämpfen soll.
Für Tardozzi ist die entscheidende Frage nicht, ob Quartararo im 850er-Zeitalter das Talent hat, um mitzuhalten, sondern ob Honda dieses Talent unter den neuen technischen Rahmenbedingungen in Ergebnisse übersetzen kann. Wenn das gelingt, glaubt Tardozzi, dass Quartararo schnell zu einem großen Problem für Ducati werden könnte – „und zwar große“.