BEZZECCHI QUÄLT SICH DURCH DAS SACHSENRING-TRAINING, UM TROTZ HOHER KOSTEN INS Q2 ZU KOMMEN
11 Jul·
Das Sachsenring-Wochenende startete mit einem vertrauten Muster: Ducati vorne mit dem Tempo, Aprilia im Kampf um die Wettbewerbsfähigkeit und eine Yamaha, die zeigte, dass sie sich stark qualifizieren kann – dabei aber weiterhin beunruhigende Schwächen offenbart.
Am Freitag unterstrich Marc Marquez mit seiner „Sachsenking“-Rolle den Auftakt, als er die Session mit 1:19.394 anführte und damit vor Raul Fernandez und Fabio Di Giannantonio ins Ziel kam. Allerdings gab es für den Ducati-Star auch einen Schreckmoment. In seiner zweiten schnellen Runde stürzte Marquez in Kurve 3, nachdem er laut eigener Aussage eine neue Störung im Asphalt entdeckt hatte. Er übernahm die Verantwortung: Es sei sein Fehler gewesen, dass er die Moto2-Crashes dort nicht besser analysiert habe – denn am Ende habe sich herausgestellt, dass es „eine große Buckelwelle“ war und sogar der Asphalt angehoben war. Er warnte, dass man bei einem Treffer dieser Welle, wenn man schräg in der Kurve liegt, „crasht“. Marquez sprach außerdem über seine Trainingsroutine: Von Januar bis kurz vor Brno habe er viele Stunden in der Physiotherapie verbracht, danach nach Assen mehr Arbeit ins Fitnessstudio verlagert. Er sagte, sein rechter Arm sei frei von Entzündungen, er gleiche das aber stark über die linke Seite aus, wo die Schmerzen zugenommen hätten. Trainieren würde er zwei Stunden täglich.
Während Marquez die Messlatte setzte, zeigte sich im Qualifying-Bild am Freitag, wie eng es auf dem Sachsenring zugeht. In Q1 führte Pecco Bagnaia mit 1:19.753, dahinter folgten Mir und Moreira, während Quartararo spät noch auf den zweiten Platz vorrückte. Mehrere Fahrer mussten wegen der kurzen Streckenlänge und der Schwierigkeit beim Überholen durch Q1, darunter auch Bagnaia und Quartararo, die sich direkt für Q2 qualifizierten. Andere – wie Enea Bastianini – verpassten den Sprung nur um wenige Zehntel und mussten in der ersten Qualifying-Phase antreten.
Als das Wochenende in Q2 überging, kämpfte das Feld um die ersten vier Startreihen. Ducati und Aprilia waren stark vertreten, und Marquez’ Pace zog sich auch in die zweite Session hinein. Die Pole-Zeit in Q2 war zuvor von Di Giannantonio auf 1:19.071 gesetzt worden – und Marquez verbesserte sie schließlich. In Q2 wechselte die Reihenfolge in mehreren Anläufen: Fernandez führte kurzzeitig früh, dann kletterte Marquez wieder nach oben, und in seinem dritten Versuch stellte er mit 1:19.041 eine neue Bestmarke auf und brach den Pole-Rekord. Ganz oben im Klassement stand am Ende ein Ducati-Trio: Marquez holte die Pole vor seinem Bruder Alex Marquez und Di Giannantonio.
Die größte Unterbrechung in Q2 kam von Marco Bezzecchi. Er war bereits mit körperlichen Problemen vom schweren Assen-Crash zum Sachsenring angereist, kämpfte um einen Platz in der zweiten Session, stürzte dann aber in Q2 bei einem Highside im schnellen bergabführenden Turn 7. Er ging hart zu Boden – etwa bei 170 km/h – und landete nach mehreren Überschlägen im Kies. Das gemeldete medizinische Update war drastisch: Bezzecchi hatte sich das linke Schlüsselbein gebrochen („left Schlüsselbein zertrümmert“), musste operiert werden und sollte sofort nach Italien reisen. Unmittelbar danach geriet das Aprilia-Wochenende weiter aus dem Gleichgewicht: Durch Bezzecchis Verletzung war sein Einsatz früh beendet, während Jorge Martin – trotz seiner Rolle als Meisterschaftsführender des Aprilia-Teams – nur den neunten Platz schaffte.
Bezzecchis eigene Worte vom Freitag brachten den Kontrast zwischen Entschlossenheit und Begrenzung auf den Punkt. Er sagte, der Tag sei „wie erwartet ein harter“ gewesen und er habe „ein bisschen leiden müssen“, körperlich sei es „wirklich schwierig“ gewesen. Er erklärte, dass er in der entscheidenden Attack-Phase erneut „ein bisschen leiden“ musste, zwar gute Runden hinbekam, aber noch nicht konstant sei. Dennoch zeigte er sich zufrieden, dass das Team das Ziel erreicht habe: „Wir haben unser Ziel erreicht und konnten direkt in Q2 gehen“, und er sagte, er sei glücklich – zugleich aber auch mit Blick auf das Bike-Setup.
Auch Raul Fernandes’ Q2-Lauf enthielt eine Warnung. Obwohl er der beste Aprilia-Fahrer war und Zweiter wurde, sagte er, er sei nur „teilweise“ zufrieden, weil das Ergebnis nach Tag eins nicht das komplette Bild widerspiegele. Er beschrieb ein Problem, das am Morgen begonnen habe: Ein Hinterreifen habe „nicht so gut funktioniert“, und das Team habe zunächst versucht, es mit Elektronik zu beheben. Als für das Qualifying ein neuer Reifen montiert wurde, sei die Balance des Bikes komplett falsch gewesen – ein „electronics disaster“, das ihnen viel Zeit gekostet habe. In einem Moment gab er sogar zu, er wisse nicht einmal, ob er noch ein MotoGP-Bike fahren könne. Für das Sprint-Rennen blieb er ruhig: Das Team könne nun die richtigen Änderungen vornehmen, und wenn es funktioniere, könnten sie um ein Podium kämpfen.
Yamahas Freitagsgeschichte war ein Lichtblick – vor allem für Jack Miller. Er qualifizierte sich als Fünfter und war der einzige Yamaha-Fahrer, der direkt in Q2 ging. Miller sagte, es sei gut gewesen, ein Ziel zu haben, und er habe andere Fahrer als Referenzpunkte genutzt, um näher heranzukommen. Er lobte außerdem die Eigenschaften des Sachsenrings: Auf der Strecke sei man weniger abhängig von purer Motorleistung, und der Grip habe sich leichter angefühlt als beim Bike aus dem Vorjahr. Doch seine Zuversicht kam mit einer klaren Sorge für Sprint und Rennen: Der Vorderreifen baue schnell ab. Er berichtete, dass der Vorderreifen in Turn 7 bereits „am Ende“ gewesen sei und dass nach nur vier Runden massive Graining-Erscheinungen zu sehen gewesen seien. Zudem bezifferte er den größeren Rückstand von Yamaha: Man liege mindestens „15 bis 20 PS“ hinter der Konkurrenz, und mit mehr Leistung würde sich das Bike anders verhalten.
Am Ende lieferte der Sachsenring in den frühen Sessions eine scharfe Mischung: Marquez’ rekordbrechende Form, Bezzecchis schmerzhafte Verletzung nach einem Highspeed-Crash, Fernandes’ zweiter Platz, der von Elektronik- und Reifenproblemen überschattet wurde, sowie Millers starke Qualifikation, die durch Reifenabbau und eine anhaltende Power-Lücke gedämpft wurde.