BEZZECCHIS TITELCHANCE ZERFÄLLT NACH BRÜNN, ASSEN UND EINEM GEBROCHENEN SCHLÜSSELBEIN AUF DEM SACHSENRING
6d ago·
Der Titel-Impuls von Marco Bezzecchi in der MotoGP hat eine scharfe Wendung genommen: Eine Serie von Stürzen und Rückschlägen hat ihn vom WM-Spitzenreiter zu einem Fahrer gemacht, der darum kämpft, die Kontrolle über das Punkte-Rennen zurückzugewinnen.
Mitte Juni war Bezzecchi in Brno als Weltmeisterschaftsführer angekommen und hatte 20 Punkte Vorsprung auf seinen Aprilia-Teamkollegen Jorge Martin. In Brno jedoch endete ein Sturz im Sprint in einem Wutausbruch gegenüber einem Streckenposten – ein Vorfall, der ihn laut eigener Aussage noch immer beschämt. Als Strafe wurde „Bez“ am Sonntag für den Tschechischen Grand Prix suspendiert. Auch ohne diesen Einsatz blieb er in der Tabelle vorn: Er führte weiterhin mit acht Punkten, weil Martin am Wochenende nur 12 Zähler holte.
In Assen verschärfte sich die Lage. Bezzecchi war im Sprint Vierter, stürzte im Grand Prix aber in Runde zwei. Der Bericht beschreibt, wie ihm in Kurve 15 bei rund 200 km/h das Vorderrad wegrutschte. Durch dieses Ergebnis zog Martin in der Gesamtwertung um sieben Punkte an Bezzecchi vorbei.
Dann kam der nächste Rückschlag auf dem Sachsenring. Bei der Qualifikation brach sich Bezzecchi das linke Schlüsselbein und musste deshalb beide Rennen dort auslassen. Aprilias Hoffnung ist, dass er nach der Sommerpause beim Silverstone-Wochenende vom 7. bis 9. August zurückkehren kann und zumindest halbwegs fit sein wird.
Zum Stand des jüngsten Updates führte Martin mit 208 Punkten vor Ai Ogura (194) und Marc Marquez (190). Bezzecchi lag auf Platz vier mit 186 Punkten, Fabio Di Giannantonio war Fünfter mit 184.
Die entscheidende Frage ist nun, ob Bezzecchis Einbruch nur Pech ist – oder ob etwas Tieferes dahintersteckt. Früh in der Saison war er dominant gewesen: Er gewann vier der ersten acht Grands Prix und wurde zweimal Zweiter. Doch die Sturzserie in Brno, Assen und auf dem Sachsenring hat die Erzählung von purer Pace hin zu Konstanz unter Druck verschoben.
Um das einzuordnen, fragte Speedweek den Superbike-Weltmeisterschaftsführer Nicolo Bulega – der 2024 und 2025 gegen Toprak Razgatlioglu um Titel gekämpft hat – danach, was es braucht, um eine Meisterschaft zu gewinnen, wenn die Ergebnisse schwanken.
Bulegas Botschaft war unmissverständlich: „Wenn du in der MotoGP nicht zu 100 Prozent fit bist, landest du am Ende auf Platz zehn.“ Er erklärte, dass man im Titelkampf manchmal niedrigere Zielankünfte akzeptieren müsse, um Punkte zu schützen. „Um eine WM zu gewinnen, musst du manchmal akzeptieren, als Sechster, Siebter oder Achter ins Ziel zu kommen und die Punkte mitzunehmen“, sagte er und verwies darauf, wie Martin, Ogura und Marquez ihre Rennen managen. „Marc kann gewinnen, wenn er dazu in der Lage ist. Wenn es nur für Platz fünf oder sechs reicht, dann wird er eben Fünfter oder Sechster. Tempo ist wichtig, um eine Meisterschaft zu gewinnen. Aber noch wichtiger ist, in jedem Rennen Punkte mitzunehmen.“
Mit Bezzecchis aktuellem Verletzungsstatus und dem enger werdenden Tableau werden die kommenden Rennen zeigen, ob er nach seiner Rückkehr wieder in der Lage ist, eine solche punkteorientierte Herangehensweise in Ergebnisse umzusetzen.