CAPIROSSIS TITELCHANCE ENDETE BEI EINEM STURZ IN DER ERSTEN KURVE IN BARCELONA 2006
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Vor zwanzig Jahren begann der siebte Saisonlauf der MotoGP in Barcelona-Catalunya mit einem Sturz, der sich bis heute in Loris Capirossis Erinnerung festgesetzt hat. Am 18. Juni 2006 kam der Italiener in Catalunya punktgleich mit Nicky Hayden an die Spitze der Gesamtwertung. Nach Pole Position und dem Sieg im Auftaktrennen in Jerez hatte Capirossi eine Woche zuvor bei seinem Heimrennen in Mugello mit einem zweiten Platz nachgelegt. Mit der Ducati Desmosedici GP6 auf Bridgestone-Reifen glaubte das Team endlich nah genug dran zu sein, um Honda und Yamaha im Kampf um den Titel Paroli bieten zu können.
Die frühe Hoffnung wurde in der Ducati-Garage geteilt. Auch Capirossis Teamkollege Sete Gibernau wirkte vor heimischem Publikum stark, während Marco Melandri, der für Honda fuhr, in der WM-Drittposition lag und in dieser Saison bereits zwei Siege verbucht hatte. Mit Valentino Rossi ebenfalls im Feld war die Bühne für einen offenen Kampf zwischen vier Fahrern bereitet: Capirossi, Hayden, Melandri und Rossi.
Dieser Kampf wurde in der ersten Kurve unterbrochen. Beim Bremsen in die erste Kurve kam Gibernau zu nah an Capirossi heran und es kam zum Kontakt mit seinem vorderen Bremshebel. Die Folgen waren sofort und heftig. Gibernau wurde über das Vorderrad geschleudert und bei nahezu 200 km/h regelrecht dramatisch überschlagen. Die vordere Bremse von Capirossi reagierte durch den Aufprall scharf, anschließend rutschte er seitlich in Melandri hinein. Sowohl die Ducati- als auch die Honda-Maschine kollidierten mit den Hinterrädern von Dani Pedrosa und John Hopkins. Randy de Puniet wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, als er versuchte, Gibernaus Maschine auszuweichen. Insgesamt gerieten sechs Fahrer bei hoher Geschwindigkeit in den Kies.
Als sich der Staub gelegt hatte, zeigte sich das ganze Ausmaß der Schäden. Gibernau konnte sich trotz der Schwere des Sturzes selbstständig aus dem Geschehen befreien, weil er bei dem Sturz die Arme eng am Körper hielt. Capirossi und Melandri blieben reglos im Kies liegen. Capirossi kam schnell wieder zu Bewusstsein, Melandri wurde mit einem Rettungswagen abtransportiert: Diagnose Schultergelenksluxation und eine leichte Gehirnerschütterung. Die Verletzungen von Gibernau waren paradoxerweise am schlimmsten: Er erlitt einen gebrochenen Schlüsselbein. Der Bericht erwähnte zudem eine zusätzliche Einzelheit aus dem Hintergrund: Sein Krankenwagen kollidierte etwa 50 Meter vor dem Eingang des Krankenhauses mit einem Bus.
Im Nachgang bewertete Ducati-Teamchef Livio Suppo die Situation und die weiteren Auswirkungen. Er sagte: „Die erste Kurve jedes Rennens ist immer heikel. Aber dass beide Fahrer einen so großen Sturz überlebt haben, ist ein Beweis für die Schutzwirkung moderner Rennanzüge. Leider ist das die schlimmste Zeit der Saison, um sich zu verletzen: drei Rennen an drei Wochenenden und zwei weitere in den nächsten drei Wochen.“
Für Capirossi erwies sich dieser Zeitpunkt als entscheidend. Eine Woche später kehrte er in Assen zurück, doch die Form, die Ducati-Titelfantasien realistisch wirken ließ, kam nie mehr vollständig zurück. Fünf Rennen brauchte er, um wieder auf das Podium zu fahren – und die Zahlen in der WM-Tabelle erzählen die Geschichte. Vor dem Sturz in Barcelona waren Capirossi und Hayden punktgleich an der Spitze. Am Saisonende wurde Capirossi Dritter mit 229 Punkten – 23 hinter Weltmeister Hayden und 18 hinter Rossi. Melandri beendete die Saison auf Rang vier mit 228 Punkten.
Der Bericht machte auch deutlich, wie knapp der Titelkampf hätte bleiben können. Hätten Capirossi und Melandri in Barcelona ein Ergebnis unter den besten Fünf geholt, wäre der WM-Kampf bis Valencia ein Vierkampf geblieben – mit Capirossi, der als der stärkste Ducati-Fahrer in Bezug auf die Form beschrieben wurde, mit den besten Chancen auf seinen vierten MotoGP-Weltmeistertitel.
Schließlich flossen die Ereignisse in Barcelona in langfristige Sicherheitsänderungen für die Klasse ein. Einer der Hauptgründe, warum Bremshebel-Schutzbügel ab der MotoGP-Saison 2012 verpflichtend wurden, wird auf den Schock von Catalunya 2006 zurückgeführt. Heute schützen die kleinen Kunststoffhalter jeden MotoGP-Bremshebel vor einem versehentlichen Kontakt durch andere Fahrer – ein Echo eines Sturzes, der sowohl einen Titelkampf als auch die Sicherheitsrichtung des Sports nachhaltig verändert hat.