INTACT-GP STEHT VOR 2027-UNSICHERHEIT, WÄHREND MANUEL GONZALEZ UND SENNA AGIUS AUF MOTOGP-PROMOTION SCHIELEN
6d ago·
Liqui Moly Dynavolt Intact GP erlebt laut Speedweek die erfolgreichste Moto2-Saison seit Beginn der Moto2-Ära im Grand-Prix-Sport. In der Teamwertung liegt das Team aus dem Allgäu mit mehr als 100 Punkten Vorsprung auf dem nächstbesten Rennstall. Der Abstand wird vor allem von den Leistungen des WM-Führenden Manuel Gonzalez und des auf Rang drei liegenden Senna Agius getragen. Zusätzlich profitiert Intact GP von einem eingespielten Arbeitsrhythmus in der Boxengasse. Speedweek betont, dass sowohl die beiden Fahrer als auch nahezu das gesamte Team bereits im Vorjahr eine starke Zusammenarbeit aufgebaut hatten, wodurch sich die Ergebnisse in eine anhaltende Dynamik übersetzt haben.
Dieser Erfolg rückt Intact GP mit seinen beiden Top-Piloten auch klar in den Fokus für MotoGP-Möglichkeiten. Speedweek berichtet, dass Gonzalez und Agius beide auf der Rekrutierungsliste für die Königsklasse stehen und dass sich die MotoGP-Suche während der Sommerpause auf die Tech3-Organisation verengt hat. Aktuell befinden sich beide Intact-Fahrer in Gesprächen mit Tech3-Eigentümer Günther Steiner und Teammanager Nicolas Goyon. Speedweek ergänzt, dass es als wahrscheinlich gilt, dass mindestens einer der beiden Moto2-Piloten einen Platz auf der KTM RC 16 erhält.
Je nachdem, wie Tech3 seine Entscheidungen trifft, wird die Lage jedoch deutlich komplexer – insbesondere dann, wenn der dritte Moto2-zu-MotoGP-Kandidat, der etablierte MotoGP-Fahrer Luca Marini, nicht gesichert werden kann. In diesem Fall hält Speedweek es für möglich, dass sowohl Gonzalez als auch Agius in die MotoGP aufsteigen könnten.
Intact-GP-Teamchef Jürgen Lingg sagte Speedweek, dass die sportliche Zufriedenheit inzwischen von wachsender Unsicherheit über die Zukunft begleitet wird. „Bei aller Zufriedenheit über die sportliche Situation gibt es auch Spannung. Wir hängen alle in der Luft“, so Lingg. Er erklärte, dass sowohl Gonzalez als auch Agius „den Schritt nach oben wirklich wollen“ und dass sie mit Hochdruck auf starke Leistungen drängen, dabei aber wissen, dass sie sich keine Fehler leisten können. „Das hat auch etwas Positives“, fügte Lingg hinzu. „Sie treiben sich selbst an, ohne Frage.“
Für die Planung skizzierte Lingg unterschiedliche Szenarien: „Mit Blick auf die Zukunft ist es aktuell schwierig“, sagte er und erklärte, dass die nächsten Schritte davon abhängen, wer MotoGP-Verträge erhält. „Wenn Manu einen MotoGP-Vertrag bekommt und Senna nicht, dann ist Senna auch nächstes Jahr bei uns. Dann könnten wir einen Platz mit einem Rookie ersetzen“, sagte Lingg.
Gleichzeitig betonte Lingg, dass die Alternative nicht einfach ist. „Wenn Manu keinen Vertrag in der MotoGP bekommt, dann wissen wir aktuell nicht, ob wir wieder mit ihm planen können“, sagte er und wies darauf hin, dass Gonzalez auch andere Optionen prüfen müsste – unter anderem in der Superbike-WM. Sollten beide Fahrer das Team verlassen, müsse Intact GP zwei Moto2-Startplätze gleichzeitig besetzen – idealerweise mit „einem etablierten Fahrer und einem Rookie“. Allerdings verwies Lingg auch auf Grenzen bei vorzeitigen Verhandlungen: „Unsere Hände sind im Moment gebunden. Es wäre nicht richtig, jetzt mit anderen Top-Moto2-Fahrern zu sprechen. Solange es keine Entscheidung über die Zukunft unserer aktuellen Fahrer gibt, bleiben die Plätze für sie frei“, sagte Lingg.
Speedweek berichtet zudem, dass bereits mehrere starke Namen bei Intact GP angeklopft hätten, doch Lingg macht klar, dass man abwarten müsse. „Nicht überraschend haben mehrere sehr gute Namen an der Tür des Intact-Trucks geklopft“, sagte er. „Aber ich muss sie warten lassen. Das kann nicht endlos so weitergehen, denn irgendwann müssen sie auch entscheiden.“
Die Auswirkungen reichen über Moto2 hinaus. Speedweek weist darauf hin, dass Intact GP auch ein Moto3-Team mit Peter Öttl betreibt. Das bedeutet: Wenn es zu Moto2-Promotions kommt, müssten auch im Nachwuchsbereich Ersatz gefunden werden. Linggs Botschaft lautet, dass der Zeitpunkt entscheidend ist: Wenn etwa David Munoz aufsteigen würde, müsste Intact einen vielversprechenden Ersatz finden – „und zwar schnell“.
Zum Abschluss erklärt Speedweek, dass die Stellschrauben in der Planung über die gesamte Rennsport-Ladder hinweg erst dann bewegt werden können, wenn die MotoGP-Entscheidungen von Tech3 final sind. Bis dahin beschreibt Lingg die Situation als Mischung aus „Lust und Frust“: Die Moto2- und Moto3-Aufstellungen warten faktisch auf das Ergebnis des MotoGP-Puzzles.