KTMS TECH3-ENTSCHEIDUNG WIRD ZUR SCHICKSALFRAGE, WÄHREND MANUEL GONZALEZ MOTOGP-OPTIONEN ABWÄGT
4d ago·
Manuel Gonzalez’ nächster Schritt Richtung MotoGP ist weiterhin offen. Als einzige realistische Option im aktuellen Zeitfenster gilt das Tech3-Team von KTM. Der Spanier, der seit 2021 in der Moto2 fährt, bringt starke Referenzen mit: neun Siege, 23 Podestplätze und neun Pole-Positions. 2024 wurde er Dritter in der Weltmeisterschaft, im Jahr zuvor war er Vizemeister. In die Sommerpause der aktuellen Saison geht Gonzalez mit 51,5 Punkten Vorsprung auf Platz zwei und 195,5 Punkten insgesamt.
KTM steht dabei vor einer komplizierten Ausgangslage, denn Gonzalez’ Weg in die MotoGP war nicht geradlinig. Als er im vergangenen Jahr aufstieg, verpasste er die Chance auf die Option gegen Diogo Moreira, der später Moto2-Weltmeister wurde. Für 2027 hat sein Manager Eddy Rovelli bislang keine positive Entwicklung liefern können, nach Monaten der Verhandlungen scheint die Entscheidung auf einen einzigen freien Platz hinauszulaufen: Tech3 KTM.
Tech3-Teamchef Günther Steiner betont, dass die Nationalitätsfrage keine entscheidende Rolle spielt. In einem direkten Gespräch mit SPEEDWEEK.com stellte Steiner klar, dass es auf Leistung ankommt – nicht darauf, aus welchem Land ein Fahrer seinen Pass hat. „Woher der Pass kommt, ist für mich irrelevant – Leistung muss da sein“, sagte er. Er fügte hinzu, dass es zwar verlockend sein könne, den Markt über Vielfalt zu definieren, das Team aber Nationalität nicht als „Waffe“ gegen spanische Fahrer einsetzen dürfe. „Erfolg kommt nicht vom Pass, sondern von der Person“, so Steiner. Außerdem gehe es nicht nur darum, Ergebnisse einzufahren: Der Fahrer müsse mit dem Team zusammenarbeiten, dabei helfen, das Motorrad weiterzuentwickeln und Entwicklung beizutragen. „Es gibt viele Faktoren“, schloss er.
Steiners internes Bild: Er möchte einen erfahrenen Fahrer, wobei Luca Marini diese Kategorie anführt, und daneben eine jüngere Option. Der zweite Sitz ist derzeit ein Duell zwischen den beiden Intact-Fahrern: Gonzalez (23) und dem 21-jährigen Australier Senna Agius.
KTM-Rennsportdirektor Pit Beirer sieht die Sache stärker aus Entwicklungsperspektive und nutzt eine finanzielle Analogie, um junges Talent zu beschreiben. „Junge Fahrer sind wie Aktien – man spekuliert darauf, wie positiv sie sich in der Zukunft entwickeln“, sagte Beirer. Wenn es darum gehe, wer heute der bessere Moto2-Pilot sei, hält er Gonzalez für die klarere Wahl. „Wenn du mich fragst, wer der bessere Moto2-Pilot ist, dann würde ich sagen: Gonzalez“, erklärte er. Weniger sicher ist Beirer jedoch, wer später der bessere MotoGP-Fahrer werden könnte. Der Wechsel hänge von Details ab – etwa Größe, Gewicht, Fahrstil und davon, wie ein Fahrer mit dem Vorderradreifen umgeht. Zudem sagte Beirer, KTM treffe die Entscheidung nicht anhand eines einzelnen jüngsten Rennens. „Wir machen es uns nicht leicht, indem wir auf das letzte Rennen schauen und dann aus dem Bauch heraus entscheiden“, so Beirer.
Beirer sieht bei Agius mehr Potenzial. Er beschreibt ihn als jünger und in der Lage, seine Bestform konstanter abzurufen. „An den Tagen, an denen er seine volle Leistung erreicht, ist er der Gewinner“, sagte Beirer und stellte Agius als den Fahrer mit dem größeren Entwicklungsspielraum dar.
Die KTM-Führung hat außerdem über die Möglichkeit gesprochen, mit der Tech3-Besetzung ein größeres Risiko einzugehen. Beirer deutete sogar an, dass KTM Gonzalez und Agius gemeinsam bei Tech3 einsetzen könnte. Dabei verwies er darauf, dass die Werksseite für die nächsten zwei Jahre bereits abgesichert sei – mit zwei erfahrenen MotoGP-Rennsiegern: Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio. Allerdings würde Beirers Idee noch die Zustimmung von Steiner benötigen.
Für Gonzalez gibt es neben MotoGP zudem einen klaren Plan B: die Superbike-Weltmeisterschaft. Einige Beobachter im MotoGP-Paddock glauben, dass Agius mehr Potenzial habe – das habe Gonzalez dazu gebracht, Alternativen zu prüfen. In der Superbike-Serie soll Gonzalez Berichten zufolge auf der Einkaufsliste zweier Top-Hersteller stehen: Ducati und BMW.
SPEEDWEEK.com merkt an, dass Ducatis Argumente besonders stark wirken. Arubas Team habe die Saison bisher dominiert: Alle 24 Rennen wurden bislang gewonnen, Nicolo Bulega und Iker Lecuona holten 21 Doppelsiege. Der Artikel wirft zudem die Frage auf, ob Gonzalez’ Nationalität für Ducatis breiter aufgestellte MotoGP-Linie überhaupt eine Rolle spielen würde. Ducati hat bereits zwei Spanier im MotoGP-Werksteam – Marc Marquez und Pedro Acosta – und auch Lecuona ist spanisch. Sollte Ducati Gonzalez verpflichten, wären damit alle vier MotoGP-Maschinen des Herstellers in spanischer Hand.
Auf BMW-Seite läuft der Vertrag von Danilo Petrucci nach dieser Saison aus. BWM plant aktuell mit Miguel Oliveira zunächst für weitere drei Jahre. Sollte BMW Gonzalez nicht sichern, verschiebt sich die Berichten zufolge enge Auswahl auf Brad Binder und Jack Miller.
Insgesamt scheint KTM die Entscheidung für den verbleibenden Tech3-Sitz davon abhängig zu machen, wie stark das Team unmittelbare Leistung gegen die längerfristige Entwicklung abwägt – während Gonzalez parallel eine hochrangige Alternative im Superbike bereit hält, falls sich MotoGP-Chancen nicht ergeben.