MARTÍN, MÁRQUEZ UND BEZZECCHI DARÜBER, WIE VERLETZUNGEN IHR DENKEN PRÄGTEN
4h ago·
Im MotoGP-Sport werden Verletzungen oft über Reha-Zeiten und Leistungsrückschläge diskutiert – doch Speedweek zeigt an drei Fahrern, wie schwere Stürze den Blick auf sich selbst, Trainingsgewohnheiten und sogar die Wahrnehmung der Gegenwart nachhaltig verändern können.
Jorge Martín, der bereits mehrere schwere Verletzungen überstanden hat und beim Comeback 2025 in Katar erneut einen Rückschlag erlebte, erklärte am Sachsenring, dass ihn die harten Momente mehr geprägt hätten als die guten: „Man lernt aus den schlechten Momenten viel mehr als aus den guten. Nur die schwierigen Zeiten zeigen dir, wer du wirklich bist. Dann lernst du, wie du wieder rauskommst.“ Für Martín geht es dabei nicht nur um den Körper: Verletzungen würden offenlegen, wer wirklich an deiner Seite steht. „Mein Umfeld wurde kleiner – aber stärker. Ich habe nie bereut, was passiert ist. Ich versuche immer, das Positive mitzunehmen. Gerade in schlechten Momenten kann man als Mensch wachsen.“
Er sprach auch darüber, wie knapp er nach dem Katar-Sturz daran vorbeigeschrammt sei, nicht weitermachen zu können: „Ich war kurz davor, nicht mehr hier zu sein.“ Dieser Beinahe-Ausfall habe seine Wahrnehmung für das Jetzt geschärft: „Ich habe gelernt: Die Vergangenheit ist Geschichte, die Zukunft ein Rätsel. Deshalb musst du im Hier und Jetzt leben und versuchen, den Moment zu genießen.“ Genau deshalb sei er heute „viel bewusster“ für die Gegenwart.
Trotz seiner führenden Position in der WM betonte Martín, dass Disziplin wichtiger sei als dauerhafte Motivation. „Es gibt viele Tage, an denen ich nicht trainieren will“, sagte er, „aber es gibt keinen Plan B.“ Auch sein Verhältnis zum Erfolg habe sich verändert: „Es ist nicht mehr das gleiche Feuer wie als ich jung war. Als junger Fahrer willst du Vollgas geben. Heute nutze ich meine Erfahrung viel mehr.“ Praktisch ergänzt er: „Nach jedem Sturz versuche ich zu verstehen, warum er passiert ist, und nicht den gleichen Fehler noch einmal zu machen.“
Speedweek zieht eine Parallele zu Marc Márquez, dessen Karriere ebenfalls von großen Verletzungsrückschlägen geprägt war. Nach dem Bruch des Oberarms in Jerez 2020 kehrte Márquez ungewöhnlich früh aufs Motorrad zurück. Die Folge war eine lange, schmerzhafte Phase – inklusive vier Operationen am rechten Oberarm – bevor er schließlich wieder vorne mitmischte. Heute beschreibt Márquez seinen Ansatz anders: Statt über das Pushen von Risiko zu sprechen, betont er Geduld und die konsequente Umsetzung im Alltag.
Ein entscheidender Einfluss, so Speedweek, sei eine mentale Haltung gewesen, die Márquez seinem Idol Rafael Nadal zuschrieb. „Wenn du dich schlecht fühlst, sind deine 100 Prozent anders als an guten Tagen“, sagte Márquez. „Wichtig ist, dass du jeden Tag wieder deine eigenen 100 Prozent erreichst. Genau das versuche ich zu tun.“ Auch sein Training habe sich verändert: „Früher habe ich Ruhetage nicht respektiert. Jetzt muss ich meinen Körper anders dosieren. Wenn ich die Belastung besser verteile, entwickle ich am Ende sogar bessere Ergebnisse.“
Speedweek bringt zudem ein direktes Zitat von Martín: „Irgendwann versteht man, dass man nur einen Körper hat.“ Damit unterstreicht das Blatt das gemeinsame Muster: Tempo und Leistung hängen zunehmend davon ab, die eigenen Grenzen zu verstehen – nicht nur dem Adrenalin hinterherzulaufen.
Während Martín und Márquez auf Distanz zurückblicken können, wird Marco Bezzecchi als jemand dargestellt, der den Kreislauf in Echtzeit durchlebt. Nach einem schweren Sturz in Assen reiste der Aprilia-Fahrer zum Sachsenring, konnte sich aber zuvor nicht richtig vorbereiten. Am Donnerstag signalisierte er, dass normale sportliche Ziele nicht realistisch seien. Bis Freitag kämpfte er sich trotz Schmerzen bis Q2 – der körperliche Zustand sei so hart gewesen wie erwartet. „Mental ist es nicht so schlimm“, sagte er, „aber körperlich ist es viel schwieriger.“
Diese Hoffnung auf eine glattere Wende hielt jedoch nicht lange. In der Qualifikation verlor Bezzecchi in Kurve 1 die Kontrolle über seine Aprilia und stürzte heftig. Die Diagnose: ein gebrochener linker Schlüsselbein. Speedweek berichtet, dass er am Wochenende in Italien erfolgreich operiert wurde – und dass sich die Erholung sofort zum nächsten Rennen entwickelte: so schnell wie möglich wieder aufs Motorrad zu kommen.
In Summe zeigen die Geschichten: Nicht nur die Verletzung selbst ist entscheidend, sondern vor allem das, was Fahrer danach daraus machen. Martín fasste das kurz zusammen: „Man lernt aus den schlechten Momenten viel mehr als aus den guten.“ Speedweek beschreibt es als wiederkehrendes Muster – Verletzung, Comeback, Rückschlag und ein weiterer Versuch – und macht deutlich: Champions werden nicht nur durch Rückschläge geformt, sondern durch den Weg zurück.