MELANDRI SAGT, QUARTARARO MACHT EINEN MENTAL AUSGELAUGTEN EINDRUCK UND „KANN ES KAUM ERWARTEN, YAMAHA ZU VERLASSEN“
2h ago·

Fabio Quartararo steht in den letzten Abschnitten seiner Zeit bei Yamaha zunehmend unter genauerer Beobachtung. Der Franzose hat offen zugegeben, dass er in dieser Saison mehrfach „abgecheckt“ wurde, während er dem Wechsel zu Honda im nächsten Jahr entgegenblickt. Die Lage wird zusätzlich dadurch erschwert, dass Quartararo ein Yamaha-Paket, auf das er bereits zuvor als entscheidenden Faktor für schwindende Motivation verwiesen hatte, erneut in den Mittelpunkt rückt: Wenn das Motorrad nicht die Ergebnisse liefert, die er erwartet, werde es schwerer, Rennen für Rennen voll dabei zu bleiben.
Im Chiacchiere da Box-Podcast äußerte sich Marco Melandri dazu und meinte, dass Quartararos Probleme über bloße Frustration über das Material hinausgehen. Seiner Ansicht nach handelt es sich um mentale Erschöpfung – eine Ansammlung von Enttäuschungen, die den Yamaha-Piloten ausgelaugt und dazu gebracht hat, sich an jedem Wochenende nicht mehr bis an die Grenze pushen zu wollen. „Ich glaube, er ist mental erschöpft. Wenn man an diesen Punkt kommt, will man einfach nicht mehr versuchen. Ich glaube, er ist in dieser Phase, in der er auf die Strecke kommt und sich schon darauf freut, wieder wegzugehen“, sagte Melandri. Er ergänzte, dass das Problem nicht nur das Ausbleiben von Ergebnissen sei, sondern auch das Gefühl, dass Verbesserungen nicht mehr realistisch erscheinen: „Es ist schwer zu verstehen, weil man sagt: ‚Nun ja, du hast Glück, du verdienst viel Geld für deinen Traumjob‘. Aber nach so vielen Malen, wenn man es gewohnt ist, bestimmte Ergebnisse zu holen, kommt man auf die Strecke und weiß, dass man nichts tun kann, um sich zu verbessern. Dann gerät man in einen wirklich schwierigen Kopfzustand.“
Melandri ging außerdem auf Vergleiche ein, die zwischen Quartararos Situation und Marc Marquez’ letztem Jahr mit Honda gezogen werden. Zwar seien beide Fahrer mit Frust in Verbindung gebracht worden, doch Melandri betonte, dass die Umstände und die Psyche nicht 1:1 austauschbar seien. „Man muss jede Situation von innen kennen, um sie beurteilen zu können. Nicht alle Köpfe sind gleich. Die Leute reagieren unterschiedlich“, sagte er. Zudem wies er darauf hin, dass das Umfeld um einen Fahrer die Lage noch schwerer machen kann – selbst dann, wenn die Probleme von außen scheinbar einfach zu lösen sind: „Es ist auch schwierig, die Atmosphäre zu verstehen, die um den Fahrer herum entsteht. Es ist eine Reihe von Umständen, die von außen leicht zu lösen wirken, aber wenn man in diesem Kopfzustand ist, ist das sehr schwer.“
Während Quartararos Saison ohne die Leistungen weiterläuft, die er sich wünscht, hat er sich wiederholt kritisch über Team und Motorrad geäußert. Zuletzt räumte er ein, dass er mit seinen Beschwerden möglicherweise zu öffentlich gewesen sei und dass er einen Teil davon hätte privater halten sollen. Melandri stellte zudem Fragen, wie Yamaha mit der Situation umgegangen ist: Warum habe das Team nicht effektiver eingegriffen, wenn man gewusst habe, dass Quartararo in Interviews einen kritischen Ton anschlagen würde.
Insgesamt deuten die Berichte darauf hin, dass die Partnerschaft nicht mehr an Schwung gewinnt. Da Quartararos Fokus zunehmend auf das nächste Kapitel gerichtet ist und Yamaha offenbar damit zufrieden ist, die aktuelle Saison zu Ende zu bringen, wirken beide Seiten darauf bedacht, weiterzugehen – statt ihre gemeinsame Zeit mit einem starken Abschluss zu beenden.