RICARD JOVE KRITISIERT MASSIMO RIVOLA WEGEN ÖFFENTLICHER MARTIN-KRITIK UND PRESSE-VERBOT NACH DEM UNGARN-GP
11h ago·

Nach dem Ungarn-GP ist um Aprilia-Teamchef Massimo Rivola eine neue Kritik-Welle entbrannt. Der frühere Rider-Manager und Talent-Scout Ricard Jove wirft Rivola vor, er verfolge gegen Jorge Martin eine persönliche „Vendetta“.
Der Streit geht auf Martins Strafen beim Tschechien-GP zurück: Dort erhielt er eine doppelte Long-Lap-Sanktion, nachdem er für einen Zwischenfall in der ersten Kurve verantwortlich gemacht worden war, der mehrere Fahrer betraf – darunter sein Aprilia-Teamkollege Marco Bezzecchi, Trackhouse-Pilot Raul Fernandez sowie Fermin Aldeguer von Gresini. Jove sagte, Martin sei „zu 100 %“ für den Crash verantwortlich gewesen. Ausschlaggebend sei seiner Ansicht nach ein Front-End-Lockup gewesen, der Martin aus dem Gleichgewicht brachte und zum Kontrollverlust führte.
Für Jove war die größere Zündschnur jedoch Rivolas Entscheidung, Martin nach dem Vorfall öffentlich zu kritisieren. Jove argumentierte, Rivola hätte seine Kritik privat halten sollen, statt daraus eine öffentliche Botschaft zu machen. Er verwies zudem auf den größeren Kontext von Martins Wut zu Saisonbeginn: Beim Catalan GP war es zu einer Kollision zwischen Fernandez und Martin gekommen, worauf Martin in der Garage heftig reagierte – sogar bis hin zum Schieben von Aprilia-Teammanager Paolo Bonora.
Joves Standpunkt: Martin solle aus der Situation lernen und künftig „nachsichtiger“ sein, wenn andere Fahrer Fehler machen – nach dem Prinzip „heute für dich, morgen für mich“. Gleichzeitig betonte er, Rivola sei mit seinen Kommentaren zu weit gegangen. Er kritisierte sowohl den Ton als auch die Entscheidung, das Ganze öffentlich auszutragen.
In Joves Worten wirkte der Vorfall nicht wie „irgendeine Art von Wahnsinn oder riskantes Manöver“, sondern vielmehr wie „ein einfacher Fehler“, der „viele Konsequenzen“ nach sich gezogen habe. Zudem kritisierte er Rivolas Darstellung, ein Weltmeister dürfe so einen Fehler nicht machen. Jove sagte, er „[stimme]… stark [nicht]“ zu: Dass man Champion sei, nehme nicht die Möglichkeit von Fehlern in „Limit-Manövern“.
Das beunruhigendste Element sei für Jove die Motivation hinter Rivolas Aussagen. Er habe den Eindruck, die Kommentare wirkten wie eine öffentliche Vendetta im Zusammenhang mit dem, was in Barcelona passiert sei. Das Vorgehen nannte er „ziemlich unsportlich“. Außerdem sei die Situation zu sehr auf Show fokussiert: Es gebe „viel zu viel Netflix und Show in all dem“, und Strafen bzw. Rügen sollten „privat und von Angesicht zu Angesicht“ erfolgen.
Die Auseinandersetzung fällt zudem in eine Phase, in der Martins bestätigter Abschied von Aprilia zum Saisonende bereits feststeht – er wechselt zu Yamaha. Dieser Schritt gilt weithin als offenes Geheimnis. Rivola betonte derweil, er werde seine Fahrer im Titelkampf gleich behandeln, auch wenn Bezzecchi bereits einen neuen Vertrag unterschrieben hat.
Rivolas Haltung scheint sich nach dem Ungarn-GP jedoch verändert zu haben. Beim Start in Richtung Kurve eins verriegelte Martin das Vorderrad, krachte in das Feld und nahm dabei sich selbst, Bezzecchi, Fernandez und Aldeguer mit. Da Aprilia keine Punkte holte, half Marquez’ Sieg dabei, den Rückstand in der WM zu verkürzen. Nach dem Rennen hatte Rivola Martin für den Fehler gescholten und gesagt, kein Weltmeister dürfe so einen Fehler machen – später revidierte er seine Einschätzung. Er erklärte, sich seine Bewertung geändert habe, nachdem er mit Leuten im Fahrerlager gesprochen habe. Rivola sagte, er glaube, Martin habe „etwas Dummes“ gemacht, statt „völlig unvernünftig rücksichtslos“ gehandelt zu haben. Martin habe versucht, das umzusetzen, was sein „Superpower“ bei Aprilia gewesen sei: schnelle Starts – bevor es „ein bisschen schiefging“. Außerdem stellte Rivola klar, dass „die zwei Interviews zwei sehr unterschiedliche Interviews“ seien: Der TV-Ton direkt im Moment sei anders als spätere Gespräche.
Ein weiterer Konfliktpunkt ist aus Rivolas Umgang mit dem Medienzugang nach dem Crash entstanden. Berichten zufolge sperrte Rivola sowohl Jorge Martin als auch Marco Bezzecchi nach dem ungarischen Zwischenfall von Interviews mit der Presse. Das hat Kritik von Journalisten ausgelöst, darunter Oscar Haro. Er sagte, Rivola und Aprilia hätten „Journalisten respektlos behandelt“, indem sie verhinderten, dass Fahrer zu Wort kommen. Haro betonte, Journalismus sei im MotoGP „extrem wichtig“, und es sei respektlos, wenn ein Teammanager ankündige, dass Fahrer nicht sprechen würden. Viele Reporter „zahlen praktisch ihre eigenen Ausgaben“. Außerdem sei die Entscheidung respektlos gegenüber den Fans, die seiner Ansicht nach das Recht hätten zu hören, was „im Moment des Geschehens“ passiert sei – statt über eine kontrollierte Stellungnahme. Haro fasste die Lage zusammen, indem er sagte, er halte es für „das hässlichste, was Aprilia tun konnte“.
Auch im Hintergrund gibt es weitere Details zum Catalan-GP-Nachbeben: Bonora sagte, die Konsequenzen aus der Garagen-Konfrontation hätten sich nur auf „eine Sache von Minuten“ beschränkt – ein Hinweis darauf, wie schnell sich die Spannungen wieder gelegt hätten. Das steht im Kontrast zur anhaltenden öffentlichen Debatte, die nun Rivolas Umgang mit Martins Ungarn/Tschechien-GP-bezogener Kritik betrifft.