MOTOGP-RENNLEITER BARBIER SAGT, DASS DIE REIFENDRUCKREGEL EINEN SICHERHEITSGRUND HAT
11h ago·
Die Regel zur Überwachung des Reifenluftdrucks in der MotoGP stößt weiterhin auf Kritik von Teams, Medien und Fans. Viele halten sie für schwer verständlich und sehen den sportlichen Nutzen als nicht klar erkennbar. Speedweek zufolge ist das Thema vor allem deshalb unpopulär, weil „Reifen“ für die breite Öffentlichkeit abstrakt sind und weil die Folgen der Regel oft erst lange nach der Zielflagge eintreffen.
Besonders problematisch wird es, wenn Rennresultate nach dem Event aufgrund von Luftdruck-Strafen nachträglich geändert werden. Speedweek betont, dass die Glaubwürdigkeit leidet, wenn Fahrerplatzierungen Stunden nach dem Rennen faktisch umgedreht werden – vor allem, wenn die Strafen erst nach der ersten Wertung verhängt werden. Als Beispiel wird der Große Preis von Katalonien genannt: Während der Fokus der Medien stark auf den Verletzungen von Alex Marquez und Johann Zarco lag, wurde das Ergebnis später korrigiert, nachdem fünf Zeitstrafen ausgesprochen worden waren.
Der jüngste prominente Fall betrifft KTM- Tech3-Pilot Maverick Vinales. Speedweek erinnert daran, dass Vinales bereits in Katar für eine ähnliche Regelverletzung bestraft worden war, wobei die Zeitstrafen damals massive Auswirkungen hatten: Er hatte sich bis auf den zweiten Platz hinter Marc Marquez vorgekämpft, musste den Pokal jedoch nach der Strafe zurückgeben. Beim Ungarn-Grand-Prix am vergangenen Sonntag habe er hingegen eine 16-Sekunden-Strafe erhalten, die „keinen Einfluss“ gehabt habe – in der Endabrechnung sei er „15“ (wie berichtet) geblieben.
Die Luftdruck-Kontrollregel wurde 2022 zunächst als Test eingeführt und 2023 dauerhaft gemacht, wird aber seitdem wiederholt kritisiert. Im Bericht steht die technische Herausforderung im Mittelpunkt, die Reifenleistung in einem engen Arbeitsfenster zu halten. Michelin und die technischen Gremien der MotoGP argumentieren laut Speedweek, dass die Reifen ihre „fantastische“ Performance nur dann abrufen können, wenn die Bedingungen über mehrere Parameter hinweg exakt definiert sind. Abweichungen seien nicht tolerierbar, weil der Schutz der Betriebssicherheit auf einer MotoGP-Maschine gewährleistet werden müsse.
Speedweek ordnet die Debatte auch aus Sicht der Sportführung ein. MotoGP-Rennchef Giorgio Barbier verteidigte die Existenz der Regel, räumte aber ein, dass es kein einfaches Thema sei. „Es ist verständlich, dass es kein einfaches Thema ist. Also muss man damit umgehen. Von Anfang an haben wir gesagt, dass wir bereit sind, diese Regel ohne Vorbehalte zu akzeptieren“, sagte Barbier. Wenn aktueller Lieferant und MotoGP den Prozess gemeinsam etabliert hätten, gebe es dafür „einen guten Grund“. Zudem betonte er, dass Sicherheit im Motorsport ernst genommen werden müsse: „Wenn es um die Betriebssicherheit in diesem Sport geht, ist das etwas, das wir sehr ernst nehmen.“
Mit Blick auf die Zukunft wird darauf hingewiesen, dass der nächste MotoGP-Reifenlieferant Pirelli sein wird. Barbier wird so eingeordnet, dass die Regel möglicherweise nicht dauerhaft in der aktuellen Form bleibt. Laut Bericht schließt Pirelli Änderungen oder sogar das Abschaffen des Luftdruck-Kontrollsystems nicht aus. Barbier wird mit den Worten zitiert, Pirelli würde „heute“ keine andere Position einnehmen, weil es zuvor „null Erfahrung“ mit der konkreten Technologie an einem MotoGP-Bike gehabt habe. Er verweist auf den Einfluss moderner MotoGP-Aerodynamik auf Luftströmungen und Temperaturen sowie auf das Bremssystem: „Und dann gibt es die Bremsen. Die Carbon-Scheiben entwickeln völlig unterschiedliche Temperaturen“, sagte er und ergänzte, dass diese Faktoren im Superbike-Bereich nicht in gleicher Weise ein Thema seien.
Barbier macht deutlich, dass die Zukunft der Regel vom Lernen und Testen abhängt. Pirelli würde die Überwachung des Luftdrucks übernehmen, danach werde bewertet, ob das System weitergeführt, in Abstimmung mit der MotoGP angepasst oder abgeschafft werden soll. Gleichzeitig betont er, dass die Entscheidung auch von den Teams kommen müsse: „Dieser Standpunkt muss auch von den Teams kommen. Zuerst müssen wir alle durch die Lernphase.“ Abschließend beruhigt er mit einem Hinweis auf bisherige Tests: „Was ich sagen kann, ist, dass alle bisherigen Tests mit MotoGP-Bikes in diese Richtung keine Probleme gezeigt haben.“
Insgesamt zeichnet der Bericht einen Konflikt zwischen Kritikern der Regel – die sie als komplex ansehen und befürchten, dass die Glaubwürdigkeit leidet, wenn Strafen Ergebnisse nachträglich verändern – und der technischen sowie sicherheitsbezogenen Begründung des Sports. Diese argumentiert, dass Reifenleistung und Sicherheit von strikten Betriebsbedingungen abhängen, die ohne Überwachung nur schwer garantiert werden können.