MOTOGP TESTET NACH JÜNGSTEN STÜRZEN IN BRNO EINE F1-ARTIGE ZWEI-BY-ZWEI-GITTERAUFSTELLUNG
1h ago·

MotoGP-Verantwortliche bereiten für das kommende Wochenende in Brünn ein sicherheitsorientiertes Experiment mit dem Startaufbau vor. Anlass sind eine Reihe hochkarätiger Vorfälle, die die Debatte über den Schutz der Fahrer erneut angefacht haben. Der erneute Handlungsdruck wird unter anderem durch Johann Zarcos Knieverletzung nach einem schweren Sturz beim Großen Preis von Katalonien ausgelöst, der als einer der brutalsten in jüngster Zeit beschrieben wurde. Die Diskussion wurde außerdem durch Jorge Martins Crash beim Ungarischen Grand Prix in derselben Phase mitgeprägt.
Nach diesen Ereignissen hat die MotoGP bereits Schritte unternommen, etwa das Verbot von Holeshot-Geräten. Allerdings wurde die zeitliche Umsetzung dieser Maßnahme kritisiert, weil sie zu spät gekommen sei, um die jüngsten Gefahren noch zu verhindern. Neben den Regeln für die Ausrüstung haben sich die Teams zudem darauf verständigt, den Abstand auf dem Grid zu vergrößern, um die Wahrscheinlichkeit von frühen Kontaktunfällen zu senken, wenn die Fahrer in die ersten Kurven beschleunigen.
Die nächste geplante Änderung ist struktureller Natur. Wie Giorgio Burreddu von La Gazzetta dello Sport berichtet, wollen die MotoGP-Offiziellen in Brünn einen F1-ähnlichen Aufbau testen: ein 2-mal-2-Grid, bei dem die Fahrer paarweise nebeneinander über die Strecke verteilt werden, statt in einer einzigen Reihe hintereinander zu stehen. Der Test ist für den 21. Juni angesetzt. Sollte er sich bewähren, könnte er bis zum 12. Juli dauerhaft werden – rechtzeitig für den Deutschen Grand Prix in Sachsenring.
Carmelo Ezpeleta, der die Idee in Mugello bestätigt hat, ordnete den Versuch als großen Schritt ein, der spürbare Auswirkungen auf die Sicherheit haben könnte. „Wir untersuchen einen anderen Startaufbau mit mehr Platz zwischen den Fahrern… Die Änderung des Grids ist eine sehr, sehr große Veränderung in der Meisterschaft, und manchmal sollten – angesichts der Distanz zwischen der Startlinie und der letzten Kurve – noch größere Änderungen an den Strecken vorgenommen werden.“ Seine Aussagen machen deutlich, dass das Grid kein isolierter Eingriff ist: Der Abstand am Start kann beeinflussen, wie die Fahrer die Anfangsphase des Rennens angehen – besonders dort, wo die Strecke bis zur ersten entscheidenden Kurve kurz ist.
Der Vorschlag hat zudem die Rolle von Liberty Media in der Ausrichtung der MotoGP in den Fokus gerückt. Einige Fans sehen das 2-mal-2-Konzept als Versuch, sich an der Formel 1 anzulehnen. Ungeachtet dessen bleibt als berichtete Begründung die Sicherheit im Vordergrund. Die Erwartung ist, dass das neue Format, falls es das Risiko senkt, sowohl bei den Fahrern als auch bei den Fans auf Zustimmung stoßen könnte.
Während der Sport diese operativen Anpassungen prüft, wurde in den Quellen auch ein grundsätzliches Hindernis für nachhaltige Veränderungen hervorgehoben: das Fehlen einer Fahrervereinigung. Ezpeleta wird seit langem mit Widerstand gegen eine Verstaatlichung bzw. Organisierung in Gewerkschaften in Verbindung gebracht. Ohne kollektive Vertretung müssten die Fahrer demnach individuell für ihre Anliegen eintreten. Das begrenzt ihre Möglichkeiten, als Gruppe Druck auszuüben – und reduziert damit, wie stark ihre Bedenken auf der Entscheidungsebene wahrgenommen werden. Die Hoffnung, die in der Berichterstattung geäußert wird, ist, dass sich die Fahrer in den kommenden Jahren organisieren können, um Sicherheitsmaßnahmen mit stärkerer kollektiver Durchsetzungskraft voranzutreiben.