NEIL HODGSON ERKLÄRT AI OGURA ZUM NEUEN „KÖNIG DER HINTEREN BREMSE“
4 Jul·

Neil Hodgson ist überzeugt, dass Marc Marquez in einer der meistdiskutierten Disziplinen der MotoGP—der Kontrolle über die Hinterradbremse—überholt wurde. In seinem Podcast „Gas It Out“ sagte der ehemalige MotoGP-Fahrer, er sei nach dem Dutch Grand Prix davon ausgegangen, dass Ai Ogura die Rolle des „Königs der Hinterradbremse“ übernommen hat. Hodgson begründete das mit dem, was er beim Japaner gesehen habe: eine deutliche Weiterentwicklung dessen, was die meisten von dieser Technik erwarten.
Hodgsons Einschätzung knüpft an den Ruf von Marquez’ Bremsstil an. Im Fahrerlager wurde Marquez’ Können an der Hinterradbremse lange dafür gelobt, dass er spät und aggressiv verzögern kann, dabei aber trotzdem den Scheitelpunkt erreicht. Hodgson merkte an, dass Ingenieure seit Jahren versucht hätten, Marquez’ Vorgehen in einem System nachzubilden—ohne Erfolg. Vor allem, weil Marquez offenbar selbst bei starkem Bremsen vermeidet, das Vorderrad zu blockieren.
Während Marquez’ Dominanz im Vorjahr noch den Eindruck vermittelte, „niemand sonst“ könne diese Technik erreichen, sieht Hodgson nun in der Saison 2026 einen Durchbruch. Er hob Ogura hervor, nachdem der Japaner beim Dutch Grand Prix seinen ersten MotoGP-Sieg eingefahren hatte. Hodgson stellte das Wochenende als etwas Besonderes dar: Trackhouse schaffte sogar ein erstes historisches One-Two im Motorsport—Raul Fernandez wurde Zweiter.
Hodgson beschrieb Ogura als Fahrer, der nicht wie jemand wirkt, der attackiert. Genau dieser Kontrast mache ihn effektiv: „Er ist ein sehr instinktiver Fahrer, der unaggressivste Mensch, dem du je begegnen wirst“, sagte Hodgson. Ogura sei „ruhig“ und „bescheiden“, doch sobald der Helm/Visier-Deckel unten ist, „greift er an“. Dieses Mindset sei sogar schon in kleineren Klassen vorhanden gewesen.
Von dort aus verknüpfte Hodgson Oguras Tempo direkt mit dem Bremsgefühl und dem Management des Hinterrads. „Er ist der König der Hinterradbremse“, stellte Hodgson klar. Zwar nutzen viele MotoGP-Piloten viel Hinterradbremse, doch Oguras Ansatz sei „der Marc-Marquez-Weg“: Die Hinterradbremse ziehe das Motorrad zurück und „nehme etwas Last vom Vorderrad“, sodass Ogura einen „Sweet Spot“ finde. Für Hodgson ist die Schlussfolgerung eindeutig: Der Rest des Fahrerfelds müsse Ogura genau beobachten, weil er bereits ein Titelanwärter sei.
Oguras Position in der WM stützt diese Einschätzung. Hodgson berichtete, dass Ogura 25 Punkte hinter dem aktuellen Spitzenreiter Jorge Martin liegt—ein Rückstand, der genau einem kompletten Grand-Prix-Sieg entspricht. Außerdem betonte er Oguras Konstanz in Rennen über längere Distanzen: In diesen Events habe er die Zielflagge nicht schlechter als auf P8 gesehen.
Hodgson verglich Oguras Fahrprofil zudem mit Francesco Bagnaia und nannte es einen „absoluten Gegensatz“. Ogura habe weniger Probleme, wenn er anderen folgt, während Bagnaia an Momentum verlieren könne, sobald sich die Bedingungen ändern. „Er ist fast das Gegenteil von Bagnaia“, sagte Hodgson. „Wenn er hinter jemandem steckt, fällt es ihm nach zwei oder drei Runden schwer. Ai ist das genaue Gegenteil.“
Als Erklärung führt Hodgson an, wie die beiden Fahrer mit Veränderungen im Vorderraddruck umgehen, die durch schmutzige Luft entstehen. Ogura profitiere von dem Anstieg des Vorderraddrucks, den er bekomme, wenn er hinter Rivalen fährt—und das helfe ihm, in dieser Situation um Pace zu kämpfen. Bagnaia hingegen beschrieb Hodgson so, dass er einen Punkt erreicht, an dem der Grip offenbar zunimmt: „Er hat Grip, er hat Grip, er hat Grip, und dann geht’s weg“—und sobald der Vorderraddruck steigt, „kann Bagnaia damit nicht fahren“.
In Hodgsons Darstellung sind Oguras Kontrolle über die Hinterradbremse und seine Fähigkeit, sich anzupassen, wenn der Druck zunimmt, der Grund, warum er nun die etablierte Hierarchie herausfordert—zumindest in dem Bereich, in dem Marquez lange als unerreicht galt.