NICO BUGLEGA SAGT, ER MUSS OPFER IM DUCATI-DEAL FÜR DIE MOTOGP-SAISONS 2027–28 AKZEPTIEREN
11 Jul·
Der seit langem kolportierte Wechsel von Nicolò Bulega von der WorldSBK zu MotoGP ist noch nicht finalisiert. Laut Speedweek ziehen sich die Verhandlungen zwischen Ducati Corse und dem VR46-Team von Valentino Rossi über die Details des Vertrags für 2027 weiter. Zwar sei schon seit einiger Zeit klar, dass Ducati den Superbike-Flaggschiff-Bereich in die MotoGP verlagern will, doch die Vertragsunterschrift sei noch nicht erfolgt, weil die Parteien unterschiedliche Prioritäten hätten und jeden Punkt „mühsam“ (also zäh und Schritt für Schritt) abarbeiten müssten.
Speedweek beschreibt die VR46-Position als eine Art Kompromiss: VR46 hätte demnach lieber den Moto2-Absolventen Celestino Vietti in die MotoGP gebracht statt Bulega. Als Satellitenteam müsse VR46 sich jedoch den Wünschen von Ducati anpassen, heißt es. Ducati stelle nicht nur den Zugang zu den besten Maschinen, sondern übernehme auch die Gehaltskosten der Fahrer. Genau diese finanzielle und technische Unterstützung wird als Hauptgrund dargestellt, warum VR46 Ducatis Entscheidung akzeptieren müsse.
Aus Sicht von Ducati argumentiert die Veröffentlichung, dass Bulega für die unmittelbare MotoGP-Performance nicht zwingend erforderlich sei. Für die kommende Saison erwarte man Marc Marquez, dazu kämen der Neuzugang Pedro Acosta sowie der vielversprechende Fermin Aldeguer. In diesem Kontext wird Ducatis Interesse an Bulega vor allem als besonders wertvoll in der Test- und Entwicklungsrolle beschrieben: Als MotoGP-Testfahrer sei Bulega „Gold“ für Ducati, weil er dabei helfe, die 850-ccm-Maschine mit Pirelli-Reifen weiterzuentwickeln – statt sich ausschließlich auf Michele Pirro zu verlassen.
Auch die Vertragsstruktur habe Bulegas Reaktion beeinflusst. Ducatis erster Vorschlag für 2027 und 2028 wird als „1+1“-Modell beschrieben. Bulega habe von diesem Format wenig begeistert gewesen, weil es ihn bereits nach dem ersten Drittel der Saison unter starken Rechtfertigungsdruck setzen würde, um seinen Platz für das folgende Jahr zu sichern. Speedweek ergänzt, dass sich die Lage offenbar weiterentwickelt: Es gebe Hinweise darauf, dass Bulega stattdessen einen Zwei-Jahres-Vertrag erhalten könnte.
Offen bleibt zudem die Frage der Materialverteilung. Speedweek hält fest, dass die Bikes der drei Teams zu Beginn der 850-ccm-Ära noch nahe beieinander liegen dürften, später aber festgelegt werde, wer welche neuen Teile zu welchem Zeitpunkt bekommt. Bulega wolle demnach die aktuellste Spezifikation erhalten und nicht gegenüber seinem Teamkollegen Aldeguer zurückfallen.
Während die MotoGP-Piloten beim Sachsenring beim Großen Preis von Deutschland im Einsatz sind, finden Bulegas Superbike-Verpflichtungen laut Speedweek in Donington Park statt. Dort sagte er SPEEDWEEK.com, er sei kurz vor Klarheit: „Wir stehen kurz davor, dass ich eine klare Vorstellung von meiner Zukunft habe“ („Wir sind kurz davor, ein klares Bild von meiner Zukunft zu haben“). Er fügte hinzu, dass seine Agentur intensiv daran arbeite, das zu sichern, was er als die richtige MotoGP-Lösung ansieht – man sei „nahe“ daran.
Zur Offerte selbst sagte Bulega, er sei froh, dass das Gespräch inzwischen um MotoGP gehe. Außerdem erklärte er die mentale Einstellung, die ein Topfahrer beim Sprung braucht: „Als Rookie musst du im ersten Jahr Dinge akzeptieren, die ein Topfahrer nicht schlucken muss“ („Als Rookie musst du im ersten Jahr Dinge akzeptieren, die ein Topfahrer nicht schlucken muss“). Er habe das bereits aus frühen Gesprächen mit MotoGP-Teams gewusst und dass, wenn er den Schritt machen wolle, „some sacrifices“ nötig seien – „Ich rede nicht nur über Geld; es geht um alles.“