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PABLO NIETO WARNT VOR MOTO2-DRUCK: BUGLEA KANN TROTZDEM NOCH WIE QUARTARARO DURCHSTARTEN

2 Jul·

VR46-Teammanager Pablo Nieto sagt, dass Nicolo Bulegas Aufstieg 2026 im Rückblick durchaus nachvollziehbar ist – vor allem, wenn man sich ansieht, wie sich die Karriere des Italieners über die Junior-Klassen entwickelt hat und wie der Druck früher Erwartungen Ergebnisse prägen (und manchmal auch verzerren) kann.

Bulega erlebt derzeit laut Speedweek die Saison seines Lebens in der Superbike-Weltmeisterschaft. Der Ducati-Werkspilot hat alle 21 Rennen bisher gewonnen, seine Siegesserie umfasst insgesamt 25 Rennen über die Saisons hinweg. Mit diesem Momentum steuert er auf den Titel zu. Nietos Zuversicht beruht dabei nicht auf Spekulation: Er kennt Bulegas Talent aus nächster Nähe. „Wir haben mit Nicolo gearbeitet, als er noch sehr jung war“, erinnerte Nieto. „Wir haben ein Team für ihn in der spanischen Meisterschaft aufgebaut und er hat mit uns den Titel gewonnen. Danach sind wir mit ihm in Moto3 gegangen. Wir wussten damals schon von seinem großen Talent.“

Nieto räumt jedoch auch ein, dass Bulegas Weg im Grand-Prix-Zirkus nicht geradlinig verlief. Nach dem Wechsel von Moto3 nach Moto2 blieb der Durchbruch zunächst aus. Insgesamt verließ Bulega das Grand-Prix-Paddock ohne eigenen Rennsieg – nach 99 Versuchen in Moto3 und Moto2. Nach einer durchwachsenen ersten Moto2-Saison verließ Bulega VR46 und wechselte zu Gresini, wo er zwei „enttäuschende“ Jahre erlebte.

Rückblickend sieht Nieto das Hauptproblem in Timing und Reife. „Ich denke, damals war er einfach noch nicht bereit für dieses Niveau“, sagte er. „In Superbike hat er einen riesigen Schritt gemacht. Das Talent war immer da. Heute ist er ein sehr guter Fahrer.“

Bulega selbst hat wiederholt betont, dass er heute ein anderer Mensch und Fahrer sei als in der Moto2-Phase. Nieto stimmt zu, dass in dieser Zeit das Umfeld und die Erwartungen eine Rolle gespielt haben dürften. „Das kann sein“, sagte er und bezog sich dabei auf den Druck, der Bulega schon als Teenager begleitet habe. „Ich erinnere mich, dass er in seinen ersten beiden Rennen schon um das Podium gekämpft hat. Das erzeugt automatisch riesige Erwartungen. Manchmal machen wir den Fehler, junge Fahrer sofort als den nächsten großen Star zu deklarieren.“

Deshalb fordert Nieto mehr Geduld im Umgang mit jungem Talent. „Wir müssen mit jungen Fahrern ruhig bleiben“, sagte er. „In diesem Paddock ist es extrem schwierig, etwas ganz Großes zu erreichen. Am Ende kämpfen nur wenige Fahrer um die Weltmeisterschaft. Aber Nicolo hat hier auch das Potenzial für große Erfolge.“

Nieto zieht zudem Parallelen zu anderen Fahrern, die früh als außergewöhnlich galten, aber Zeit brauchten, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Er nannte dabei ausdrücklich Fabio Quartararo. „So etwas passiert manchmal“, erklärte Nieto. „Auch Quartararo hatte keine herausragende Moto2-Saison. In Moto3 war er unglaublich schnell, aber erst in MotoGP konnte er sein volles Potenzial freischalten. Das hängt auch von den Eigenschaften des Fahrers ab. Manche fühlen sich einfach auf einem großen Motorrad wohler.“

Als weiteres Beispiel führte Nieto Jack Miller an und stellte fest, dass Miller den direkten Sprung von Moto3 nach MotoGP gemacht habe.

Neben der allgemeinen Entwicklungsgeschichte betont Nieto auch praktische Gründe, warum Bulegas aktuelle Situation ihm in MotoGP helfen könnte. Als Ducati-Testfahrer arbeitet Bulega eng an der 850-ccm-MotoGP-Maschine für 2027. Nieto merkt an, dass Bulega Pirelli-Reifen aus seiner Superbike-Erfahrung kennt und bereits wertvolle Daten über das Motorrad sammelt, das er später fahren wird.

Nieto kann die zukünftigen Pläne von Bulega offiziell noch nicht bestätigen, sagt aber, dass es beim VR46-Deal für 2027 noch „Feinabstimmungen“ zu klären gibt. Erwartet wird, dass Bulega 2027 von Serienmotorrädern auf Prototypen umsteigt. Bulega gilt zudem weithin als starker Kandidat für einen zweiten VR46-Seat neben Fermin Aldeguer.

Zum Schluss ordnet Nieto das VR46-Projekt strategisch ein, um italienische Fahrer im Team zu halten. „Einer der wichtigsten Punkte unseres Projekts ist, italienische Fahrer zu unterstützen“, sagte er. „Dieses Projekt wächst weiter, daher ist es für uns sehr wichtig, auch in Zukunft italienische Fahrer im Team zu haben.“

Mit Bulegas dominanter Superbike-Form und seiner fortlaufenden Ducati-Beteiligung ist Nietos Botschaft klar: Die Geschichte in MotoGP ist möglicherweise noch nicht zu Ende – vor allem dann, wenn dem Fahrer Zeit gegeben wird, sich an die Anforderungen der Königsklasse heranzureifen.

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