PIRELLI TESTET 850CC-MOTOGP-MASCHINEN VOR DEM 2027ER REIFENWECHSEL, SAGT: ERSTE SAISON WIRD NICHT MIT DEM FORTSCHRITT DER RIVALEN MITHALTEN
2 Jul·
Ein erster, intensiver Test in Brünn hat MotoGP-Teams und Pirelli einen frühen Eindruck von der neuen Ausrichtung ab 2027 gegeben: 850-ccm-Maschinen, überarbeitete Aerodynamik, keine höhenverstellbare Fahrwerksabstimmung (Ride Height) sowie Pirelli-Reifen statt Michelin ab der nächsten Saison. Direkt nach dem Brünn-Wochenende gingen mehrere Stammfahrer mit Bikes nach nächstem Jahr auf die Strecke – bei heißen Bedingungen, die alle sehr nah an die Grenze brachten.
Die Testbesetzung zeigte ein breites Spektrum des Starterfelds. Ducati setzte auf Marc Marquez und Fermin Aldeguer, Aprilia auf Marco Bezzecchi und Raul Fernandez. Honda brachte Joan Mir und Luca Marini, Yamaha ließ Toprak Razgatlioglu und Augusto Fernandez Testkilometer sammeln. KTM umfasste Pedro Acosta, Dani Pedrosa und Pol Espargaro. Speedweek bezeichnete die Brünn-Session als wichtigen „Positionierungs“-Moment – nicht nur für die Hersteller, sondern auch für Pirelli, den Reifeneinheitslieferanten ab 2027.
Für Pirelli sollte die Arbeit in Brünn die Art von anspruchsvollen Bedingungen nachbilden, die der Kalender in der frühen Saison häufig bereithält. Pirelli-Rennsportdirektor Giorgio Barbier sagte SPEEDWEEK.com, man habe bereits sieben Entwicklungstests mit dem Team absolviert – unter anderem in Misano, Jerez, Sepang und Mugello. Besonders wertvoll sei der Brünn-Ausflug gewesen, weil die Fahrer zwar unterschiedlich seien, die Motorräder aber „mehr oder weniger gleich“ – das ermögliche einen klareren Vergleich unter Bedingungen wie im Rennen.
Barbier erklärte, er bevorzuge die härtesten Bedingungen, da die ersten Monate in der MotoGP zu den schlechtesten Phasen für die Reifenleistung zählen könnten – er nannte Länder wie Thailand und Malaysia. Zudem hob er die Hitze am Renntag in Brünn als wichtigen Maßstab hervor. „Beim Rennen in Brünn war es auch heiß“, sagte er und ergänzte, dass einige Fahrer im Test das 850er-Bike mit Pirelli-Reifen zuvor noch nicht gefahren seien – dadurch hätten sie einen Vergleichspunkt zum Vortag.
Mit Blick nach vorn nannte Barbier auch Spielberg als weitere große Herausforderung für die Reifen. Er deutete an, dass ein gutes Abschneiden dort wahrscheinlich bedeuten würde, dass das Programm auf Kurs ist: Brünn und Spielberg seien „eine große Herausforderung“, und starke Ergebnisse würden darauf hindeuten, dass die Zukunft vermutlich unter Kontrolle ist.
Barbier ging außerdem auf die Erwartungen für das erste Jahr der 2027-Ära ein. Er warnte davor, sofortige Gleichwertigkeit mit der Reifenentwicklung zu erwarten, für die die Konkurrenz viele Jahre gebraucht habe. „Wir können nicht erwarten, dass wir im ersten Jahr auf dem Niveau sind, das die anderen nach elf Jahren Arbeit erreicht haben“, sagte er – mit Verweis auf die Lücke bei Erfahrung und Entwicklungszeit.
Er betonte, dass Pirellis Fokus darauf liegt, was man jetzt liefern kann, und schnell dazuzulernen. In der MotoGP, so Barbier, würden Teams Prototypen einsetzen und sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen – daher müsse sich die Reifenaufbereitung an eine breite Palette von Fahr- und Maschinencharakteristiken anpassen. Barbier sagte, dass Pirelli seit dem Test im September 2025 sein Programm beschleunigt habe. Er erklärte, wenn man mit den 850-ccm-Bikes gewartet hätte, hätte die Arbeit erst „drei Monate“ früher begonnen – das hätte weniger Zeit gelassen, um Spezifikationen und Lösungen für die nächste Saison zu entscheiden.
Laut Barbier sind die nächsten zwei bis drei Jahre entscheidend, um die richtigen Reifen für diese Art von Rennen vorzubereiten. Für das erste Jahr sei die Priorität, so viel Erfahrung wie möglich mit den neuen Motorrädern und Fahrern zu sammeln, weil dieses Wissen die Grundlage für die folgende Saison bildet – ein Vorgehen, das Pirelli seiner Aussage nach historisch bereits so verfolgt.