Skip to content
64°

FABIO DI GIANNANTONIO (VR46) NACH HARTEM FREITAG: «NICHT AUF SCHNELL FAHREN FOKUSSIERT»

4d ago·

Pedro Acosta setzte am Freitag beim Ungarn-Grand-Prix im Balaton Park das Tempo und lieferte KTM die beste Qualifying-Form: mit einer dominanten Runde und einer klaren Botschaft. Die Richtung, in die das Team am Wochenende arbeitet, beginnt zu passen – zumindest auf dieser Strecke. Nach einer ersten Saisonhälfte, die bereits KTM-Potenzial gezeigt hat, setzte Acostas Leistung in Ungarn die Entwicklung fort: Der RC16 kann vorne mitfahren, sobald das Setup sitzt.

Im Vorfeld gab Acosta zu, dass das Team noch versucht, zu entschlüsseln, warum die Ergebnisse von Strecke zu Strecke so stark schwanken. „Wir wissen nicht, wie es laufen wird“, sagte er beim ersten Debrief im Balaton Park. Zwar sei der Besuch im vergangenen Jahr vielversprechend gewesen, doch er betonte: „Die Situation ist anders.“ Als Grund nannte er das Wettbewerbsumfeld: „Jetzt haben wir vier sehr starke Aprilias, damals war es anders.“

Diese Unsicherheit wurde in Mugello noch deutlicher. Acosta verwies auf das Muster uneinheitlicher Leistungen über das ganze Wochenende: In Italien sei das KTM-Niveau „nie konstant“ gewesen, und die Fahrer hätten zu unterschiedlichen Zeitpunkten „unterschiedliche Stärken“ gezeigt. Zudem stellte er seine eigene Erfahrung der gegenüber, die Tech3-Pilot Enea Bastianini als Grip-/Tempo-Mismatch auf einer Strecke beschrieben hatte, die weniger Traktion bietet. Acosta sagte, bei ihm sei es umgekehrt gewesen: „Ich wurde schneller, aber selbst am Sonntag konnte ich mich weiter verbessern. Das ist schwer zu verstehen.“ Sein Ansatz sei inzwischen datengetrieben: „Wir arbeiten daran, indem wir alle Daten überlagern.“

Der Freitag in Ungarn lieferte dann eine deutlichere Erklärung. Acosta sagte, er könne die Stärken der KTM hier effektiver nutzen als in Mugello. „Hier kann ich die starken Punkte der KTM viel besser einsetzen“, erklärte er. Außerdem liege ihm die Streckencharakteristik: „Wir haben auch keine Probleme mit einer langen Geraden, das macht das Leben viel einfacher.“ Er stellte klar, dass sich das Motorrad selbst nicht viel verändert habe, die Strecke aber „einfach nicht so schnell“ sei – und das helfe dabei, das Fahrgefühl in Tempo umzusetzen.

Der Qualifying-Tag begann mit schwierigen Bedingungen. Der Himmel war bewölkt, dazu kam starker Wind auf der kurzen 600-Meter-Geraden. Früh im Session übernahm Fermin Aldeguer mit 1:38.1 die Spitze, während Marc Marquez bereits in den ersten Momenten des Events den Balaton-Park-Benchmark gesetzt hatte – mit 1:36.518. Im Verlauf der Session rückte Marco Bezzecchi auf den zweiten Platz vor, und die Top-Gruppe verschob sich erneut, als frische Reifen und Timing-Wellen die Reihenfolge durcheinanderbrachten.

Acostas entscheidender Moment fiel in der längsten Phase unter Druck. Mit neuem Gummi kurz nach der Mitte der Session fielen die Zeiten schnell. Acosta war zuerst unter 1:38, übernahm dann mit 1:36.418 die Führung und verbesserte sich später noch einmal auf 1:36.401 – eine Leistung, die sich am Ende als Referenzpunkt für die direkte Q2-Qualifikation erwies. In der Schlussphase legte er sogar noch einen drauf: 1:36.827, womit er die Session rund eine halbe Sekunde vor Raul Fernandez beendete, der spät noch auf den zweiten Platz kletterte.

Hinter Acosta wurde Fabio Di Giannantonio der erste Verfolger. Acostas Vorsprung auf den VR46-Ducati-Piloten wurde mit etwa vier Zehnteln beschrieben. Di Giannantonio blickte auf einen schwierigen Freitag zurück: „Es war ein harter Tag. Wir haben viele Dinge ausprobiert, um das Motorrad zu verbessern.“ Er gab zu, dass man beim Experimentieren nicht nur auf Schnelligkeit fokussiert, weil man sonst Gefahr läuft, den Q2-Cut zu verpassen. Sobald er aber zu seinem Basis-Setup zurückgekehrt sei, sei er „sofort schnell“ gewesen.

Di Giannantonio beurteilte auch die Konkurrenz. Er nannte Acosta „unglaublich“ und lobte sowohl das Renntempo als auch seine Fähigkeit, in einer einzelnen schnellen Runde abzuliefern. Außerdem hob er hervor, dass alle vier Aprilia-Fahrer stark seien und dass auch Marquez schnell war – und ergänzte: „Am Freitag waren viele Namen schnell.“

Marc Marquez hingegen steuerte die Session mit einem kontrollierteren Ansatz. Der Ducati-Pilot wurde im Qualifying Siebter, war aber zuvor in FP1 stark. „Ich hatte einen Spar-Tag, deshalb war ich nicht müde“, sagte er und erklärte, dass es nicht der beste Weg sei, am Setup und am Fahrstil zu arbeiten, weil das die Anzahl der gepushten Runden begrenzt. Er beschrieb außerdem, dass er sich weniger aggressiv als üblich gefühlt habe, weil es sich hier „schlechter“ angefühlt habe, und er Fehler vermeiden wollte: „Was ich nicht will, ist ein Crash hier.“ Marquez sagte, er habe versucht, den Tag zu managen und etwas Energie für die Rennen zu sparen, und setzte sich für Samstag ein Ziel: „Mein Ziel morgen ist, in den ersten beiden Reihen zu stehen.“

Über den Rest des Feldes hinweg zeigte sich am Freitag, wie eng der Qualifying-Kampf war. Mehrere Fahrer waren zeitweise in direkter Nähe zum direkten Q2-Zugang, und selbst spät am Tag gab es noch Veränderungen an der Spitze. Acostas KTM-Form blieb jedoch der konstante Faktor – während die Fahrer um ihn herum, darunter Di Giannantonio und Marquez, darauf hindeuteten, dass die entscheidende Frage für Samstag weniger die Fähigkeit für eine einzelne schnelle Runde sein wird, sondern die Konstanz über längere Runs.

View sources