APRILIA UND TRACKHOUSE KOMMEN SICH NÄHER, DA DIE FAHRERPLÄNE FÜR 2027 FORM ANNEHMEN
19h ago·
Die nächste Vertragswelle im MotoGP-Zirkus soll das Feld für 2027–2031 deutlich umkrempeln. Offizielle Bekanntgaben werden jedoch erst erwartet, nachdem die Königsklasse selbst ihr Regelwerk für die neue Ära veröffentlicht hat. Laut Speedweek ist vieles im Fahrerfeld für 2027 bereits weitgehend bekannt, auch wenn die finale Papierarbeit noch zurückgehalten wird.
Der Zeitpunkt ist entscheidend, weil der technische und wirtschaftliche Umbruch in der MotoGP mehr ist als nur Fahrerwechsel. Die Klasse bereitet einen breiten technischen Reset vor – inklusive eines neuen Reifenpartners, Pirelli – und gleichzeitig werden Sitze neu verteilt. Speedweek zufolge hatten zu Beginn der Saison 2026 von den 22 Fahrern nur drei Kontrakte, die über dieses Jahr hinausreichen: Johann Zarco sowie zwei Rookie-Fahrer, Moreira und Razgatlioglu.
Ducati gilt als das deutlichste Beispiel für einen Hersteller mit klarer Vorausplanung. Die italienische Marke soll ihre Anzahl erhöhen – voraussichtlich mit einem Sechs-Motorrad-Vorsprung statt vier. Speedweek betont außerdem eine auffällige interne Konsistenz: Ducati und eines seiner Kundenteams, Gresini, sollen Berichten zufolge für die Zukunft ausschließlich mit spanischen Fahrern planen. Im Werks-Setup werden Marc Marquez und Pedro Acosta als Führungskräfte erwartet. Als wichtiger Grund für den gewachsenen Glauben, dass „MM93“ noch zwei weitere Jahre weitermachen könnte, wird Marquez’ jüngste Leistung in Ungarn genannt; eine endgültige Entscheidung soll jedoch erst etwa in der Sommerpause fallen.
Auch die Ausrichtung von Gresini wird als bereits festgelegt dargestellt. Nach den letzten Jahren mit zwei Spaniern soll das Team 2027 Joan Mir und den Moto2-Nachwuchs Dani Holgado einsetzen. VR46 geht derweil einen anderen Weg: Das offizielle Ducati-Juniorenteam plant demnach mit Fermin Aldeguer und Nicolo Bulega. Damit bliebe mindestens ein Italiener im Ducati-Ökosystem, während das aktuelle Ducati-Bild Bagnaia, Morbidelli und Di Giannantonio umfasst.
Aprilia hingegen wird als Hersteller beschrieben, der am stärksten darauf aus ist, die „italienische“ Erzählung zu kontern. Unter dem Racing-CEO Massimo Rivola berichtet Speedweek, dass Aprilia seine Fahrer aus dem Heimatland schützen und fördern will. Grundlage des Umbaus ist ein „Italo-Dreamteam“, das um den WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi und Francesco Bagnaia aufgebaut ist. Speedweek verweist zudem auf den sportlichen Schwung, der Trackhouse und Aprilia zuletzt nähergebracht hat. Dabei hebt Rivola wiederholt den Wert der Zusammenarbeit mit dem US-Setup von Justin Marks hervor.
Aktuell sind die beiden Trackhouse-Fahrer nicht an Aprilia gebunden, sondern an Trackhouse selbst. Dieser Unterschied könnte wichtig werden, falls Budgets und Fahrerpläne angepasst werden – mit der Möglichkeit, eine beträchtliche finanzielle Linie stärker in Richtung Trackhouse zu verschieben und damit ein noch deutlicheres italienisches Signal zu setzen. Speedweek sagt, Enea Bastianini gelte als fester Kandidat für Trackhouse, und dass Spaniens Raul Fernandez – zumindest beim Mugello-Grand-Prix – mitgeteilt wurde, dass sein Commitment über 2026 hinaus weiterhin offen ist.
Die Suche nach italienischen Optionen hängt außerdem mit VR46s Talentpipeline zusammen. Speedweek nennt Luca Marini als Fahrer, der einen MotoGP-Vertrag sucht. Er wird als Fünfter beim Balaton GP beschrieben und als Gründungsmitglied der VR46 Academy – gemeinsam mit Bagnaia und Bezzecchi. Ein weiterer Academy-Name, der erwähnt wird, ist Celestino Vietti. Speedweek berichtet, Vietti habe in Valencia einen MotoGP-Ducati testen dürfen. Gleichzeitig heißt es aber, VR46 werde Nicolo Bulega die Entscheidung geben – was die Möglichkeit eröffnet, dass Vietti stattdessen in Richtung Trackhouse gelenkt werden könnte, als Alternative zu Marini.
Ob Aprilia und Trackhouse tatsächlich eine konsequent italienische Offensive umsetzen können, bleibt jedoch ungewiss. Speedweek ordnet Ducatis breitere Planung für die 850-ccm-Ära dennoch so ein, dass Noale das für den Wettbewerbsausgleich, den man erreichen will, nicht besonders hilfreich findet – und bereitet damit die Bühne für den Gegenangriff von Aprilia vor, während sich das Grid für 2027 formt.