BAGNAIA KRITISIERT: NUR DREI FAHRER BEI SICHERHEITSKOMMISSION-TREFFEN
15 May·

Francesco Bagnaia hat die geringe Beteiligung von MotoGP-Fahrern an den Sitzungen der Safety Commission kritisiert. Nach den Aussagen des Ducati-Werkspiloten sei es „utter nonsense“, zu behaupten, Fahrer könnten Entscheidungen im Sicherheitsbereich nicht beeinflussen, wenn sie nicht selbst an den Treffen teilnehmen. Bagnaia äußerte sich dazu am Freitag beim Grand Prix von Barcelona, nachdem sein früherer Titelrival Jorge Martin bei einem schweren Sturz in Kurve 12 eine Gehirnerschütterung erlitten hatte.
Der Unfall in Barcelona führte zu einer breiten Diskussion über die Sicherheitsauslegung der Strecke. Mehrere Fahrer, darunter Martin selbst, forderten einen größeren Auslaufbereich für die schnelle Rechtskurve. Hintergrund ist, dass die vorhandene Schotterpassage (Gravel Trap) im konkreten Fall nicht ausgereicht habe, um zu verhindern, dass Martin mit dem Frontbereich seines Motorrads in die Frontverkleidung bzw. in den Bereich der Airfence (Schutzwand) prallte. Bagnaia ordnete den Vorfall in den Kontext der Streckencharakteristik ein: Der Kurs sei seit Jahren ähnlich, aber durch die mangelnde Haftung (Grip) „komplett ruiniert“.
Bagnaia betonte, dass die Safety Commission als offizielles Gremium für den Austausch zwischen Fahrern und Verantwortlichen weiterhin ein wichtiges Instrument sei, um Veränderungen anzustoßen. Das Treffen findet laut Bericht jeweils am Freitag vor dem jeweiligen Grand-Prix-Wochenende statt. Bagnaia verwies darauf, dass es in der Vergangenheit durchaus konkrete Ergebnisse gegeben habe. Als Beispiel nannte er das Rennen in Le Mans: Dort seien nur drei Fahrer bei der Safety Commission gewesen, und dennoch sei das Treffen „wichtig“ gewesen, weil kurzfristig eine Regeländerung beschlossen worden sei – im Bericht wird die Anpassung der Prozeduren für die Einfahrt in die Boxengasse genannt.
In Barcelona seien die Sicherheitsbedenken zwar von einigen Fahrern im Vorfeld relativiert worden, allerdings sei die Situation am Freitag durch ungewöhnlich niedrige Temperaturen erschwert gewesen. Bagnaia stellte zudem die Frage, warum Fahrer überhaupt nicht teilnehmen sollten: „Wie kann man denken, dass etwas nicht funktioniert, wenn man es nicht einmal versucht?“ Er kritisierte dabei nicht nur die mangelnde Bereitschaft, sondern auch die Begründung, man habe keine Zeit. Für ihn sei das „noch ernster“, weil dann faktisch nichts vorankomme: „Things just don’t get done“ – Dinge würden nicht erledigt, wenn zu wenige Fahrer anwesend seien.
Bagnaia ging außerdem auf die Rolle der Safety Commission im Regelprozess ein. Er argumentierte, dass Regeländerungen nicht mitten in der Saison erfolgen sollten. Als konkretes Beispiel nannte er eine Situation, in der ein Fahrer (im Bericht wird Marc Marquez erwähnt) durch eine kurzfristige Änderung Punkte erzielt habe, während es beim nächsten Rennen zu einer anderen Sanktionsform gekommen wäre (im Bericht: Ride-through-Penalty). Die Safety-Commission-Teilnehmer hätten sich demnach darauf verständigt, dass man hier nachsteuern müsse.
Neben der Frage der Teilnahme sprach Bagnaia auch über die Idee einer Fahrervertretung. In der MotoGP existieren zwar eigene Gremien zur Repräsentation von Herstellern und Teams, ein Grand-Prix-Drivers-Association-ähnliches Fahrer-„Union“-Modell sei jedoch nie zustande gekommen. Bagnaia reagierte skeptisch auf Vorschläge, künftig einen Vertreter wählen zu lassen. Für ihn sei der entscheidende Punkt, dass die Fahrer zunächst selbst in die Safety Commission kommen sollten. Selbst wenn ein Vertreter die gleichen Argumente vorbringe, würde sich am Ergebnis seiner Ansicht nach nichts ändern, wenn die Fahrer nicht geschlossen auftreten.
Er verwies zudem auf frühere Versuche: Man habe bereits mit Sylvain Guintoli als Vertreter gearbeitet, aber es sei damals nicht funktioniert, weil nicht alle Fahrer auf einer Linie gewesen seien. Im Bericht wird erwähnt, dass es unter anderem Fahrer von KTM gegeben habe, die nicht teilnehmen wollten. Auch Luca Marini hatte am Donnerstag angedeutet, dass eine gewählte Vertretung sinnvoll sein könnte, zugleich aber eingeräumt, dass es unter den Fahrern für 2026 bei großen Themen an Einheit fehle.
Insgesamt zeichnet Bagnaia damit ein Bild, in dem die Safety Commission zwar als Plattform existiert, aber durch die geringe Anwesenheit vieler Fahrer an Wirkung verliert. Der Barcelona-Vorfall mit Martin dient dabei als aktueller Auslöser für die Debatte: Nicht nur die Streckensicherheit (Auslaufzone, Grip, Wirksamkeit der Gravel Trap) steht im Fokus, sondern auch die Frage, ob die Fahrer ihre Anliegen wirksam genug in die Entscheidungsprozesse einbringen können.