ACOSTA KRITISIERT DREI WIEDERANLÄUFE NACH ZWEI ROTEN FLAGGEN
18 May·
Beim Großen Preis von Katalonien in Montmeló kam es am 17. Mai 2026 zu einem chaotischen Rennen mit mehreren schweren Stürzen, zwei Rot-Phasen und insgesamt drei Wiederstarts. Pedro Acosta (KTM) führte das Rennen zur Halbzeit an, als seine Maschine plötzlich aussetzte und er heftig stürzte – unmittelbar darauf wurde die Strecke rot markiert. In der Folge kollidierte Álex Márquez, der nur wenige Zehntelsekunden hinter Acosta fuhr, mit dem Heck von Acostas Motorrad, verlor die Kontrolle und stürzte ebenfalls nahe der Wand auf der Gegengeraden. Johann Zarco und Márquez wurden nach ihren jeweiligen Unfällen ins Hospital de la Santa Creu i Sant Pau bzw. in das General Hospital of Catalonia gebracht (je nach Berichtskontext), während das Rennen trotz der Gefahrensituation fortgesetzt wurde.
Acosta äußerte sich nach dem Rennen vor allem zu den Entscheidungen der Rennleitung. Er kritisierte, dass es nach bereits zwei Rot-Phasen noch zu drei Wiederstarts gekommen sei. In seiner Argumentation stellte er die Gesundheit über den Sport-Showcharakter: „Es ist alles gut und schön, dass die Show weitergeht, aber wir vergessen oft, dass wir diejenigen sind, die die Show aufbauen. Die Gesundheit der Menschen kommt vor dem Spektakel.“ Er betonte zudem, dass es nicht nur um seine eigene Situation ging, sondern auch darum, dass bereits zwei Fahrer im Krankenhaus waren und weitere Stürze passiert waren. Acosta sagte, er habe zuvor noch nie an einem so schweren Rot-Flag-Ereignis teilgenommen und dass ein technischer Defekt sich besonders schlimm anfühle, weil man machtlos sei.
Auch andere Fahrer nahmen Stellung. Luca Marini (Honda) sprach in einem längeren Statement über die grundsätzliche Gefährlichkeit des Motorsports und darüber, was es bedeutet, wenn die Gefahr unmittelbar vor Augen liegt. Er verwies auf den zweiten Wiederstart, bei dem Zarcos Bein in einem Unfall im Umfeld von Bagnaias Ducati eingeklemmt wurde. Marini kehrte nach dem Sturz zurück, wechselte das Motorrad und fuhr anschließend die 11 Runden des dritten Wiederstarts. Er beendete das Rennen auf Rang sechs, nachdem Joan Mir wegen eines Verstoßes bei der Reifenluftdruck-Kontrolle eine Strafe erhielt.
Marini erklärte, dass die Rückkehr auf die Strecke nach einem Unfall Teil dessen sei, was von MotoGP-Fahrern erwartet wird: Man müsse bereit sein, auch wenn man nicht wisse, wie es den anderen geht. Gleichzeitig betonte er, dass Gesundheit und Sicherheit Vorrang haben, aber dass es keine einfache Alternative gebe: „Warten länger? Das Rennen muss gefahren werden.“ Er ging außerdem auf technische Aspekte ein, insbesondere auf die Diskussion um „Lowering Devices“ (Start-/Brems-Hilfen). Marini sagte, dass man bereits über ein Verbot gesprochen habe und dass es in Mugello ähnlich wie in Barcelona sei, wo alle mit den Geräten starten. Er berichtete zudem, dass er im dritten Wiederstart Probleme hatte, weil sich das Gerät verhakte und er das Motorrad erst anheben und „anstoßen“ musste, um es zu lösen – ein Zustand, den er als noch gefährlicher beschrieb.
Marco Bezzecchi (Aprilia) schilderte die psychologische Seite des Tages. Er sagte, dass er nach dem Zurückkommen aufs Motorrad wieder in seine „Comfort Zone“ finde, während die Zeit zwischen den Starts ihn eher ängstige als das Fahren selbst. Er beschrieb, wie Teile des Motorrads in der Luft flogen und dass er das Rennen wie „Survival“ erlebt habe. Bezzecchi hob außerdem die Arbeit seines Teams hervor, das in kurzer Zeit alles vorbereiten musste, ohne zu wissen, wann der nächste Restart stattfinden würde. Zur Sicherheit des Kurses meinte er, dass die Strecke grundsätzlich gut sei, aber dass ein Crash wie der von Alex und Pedro „nicht vorstellbar“ gewesen sei – ein Zusammenstoß an einer Stelle, an der man typischerweise nicht mit einem solchen Szenario rechnet.
Im Umfeld der dritten Restart-Phase kam es zudem zu einem Zwischenfall zwischen Raúl Fernández (Trackhouse) und Jorge Martín. Fernández zeigte sich nach dem Rennen verärgert über die Art, wie Martín seine Überholbewegung gehandhabt habe. Er erklärte, dass er bis dahin eine positive Rennsituation gehabt habe und versucht habe, nach vorne zu gelangen, um später besser managen zu können. Als er Martín überholen wollte, sei Martín früh gebremst und Fernández sei „innen“ gegangen – laut Fernández sei aus Helikopteraufnahmen und Daten klar ersichtlich, dass Martín die Bremse wieder gelöst habe, als er Fernández erkannte, und dabei die Linie komplett geschlossen habe. Fernández entschuldigte sich zwar für den Vorfall, betonte aber, dass er sich über die wiederholte ähnliche Situation auch im Sprint gewundert habe. Er stellte außerdem klar, dass er als Fahrer in einer anderen sportlichen Lage sei als Martín (Titelkampf vs. Punkte-/Zielsetzung), und dass er professionell bleibe – unabhängig davon, ob es Auswirkungen auf seine Vertragslage mit dem Team geben könnte.
Jorge Martins Teamkollege bzw. die Aprilia-/Ducati-Seite wurde ebenfalls indirekt durch die Entscheidungen der Rennleitung und die Folgen der Strafen geprägt. Pecco Bagnaia (Ducati) erreichte nach dem dritten Restart und der nachträglichen Strafe gegen Mir den dritten Platz. Bagnaia sagte, er fühle sich körperlich und mental angeschlagen, habe nach drei Runden Schwindel verspürt und habe sich nicht „wirklich“ verdient gefühlt, betonte aber den Wert des Ergebnisses für die Meisterschaft. Er kritisierte ebenfalls die Logik hinter dem dritten Wiederstart: Er forderte eine Regel, die einen dritten Restart nach zwei großen Unfällen verbietet.
In der Summe zeichneten die Aussagen der Fahrer ein Bild von einem Rennen, das zwar sportlich fortgesetzt wurde, aber in dem die wiederholten Rot-Phasen und die Entscheidung für einen dritten Restart stark umstritten waren. Während einige betonten, dass man als Fahrer bereit sein müsse, zurückzukehren, stellten mehrere Redner klar, dass nach zwei Rot-Phasen die Grenze erreicht sei – und dass die Gesundheit der Beteiligten sowie die Frage nach klaren Regeln im Vordergrund stehen müsse.