BEZZECCHI UND MARTIN MIT EINORDNUNG ZU MUGELLO-ZEITTRAINING
29 May·
Das Freitags-Programm in Mugello bereitete ein spannendes Heimwochenende für Aprilia-Piloten Marco Bezzecchi und Jorge Martin vor: Beide kamen mit unterschiedlichen Baustellen, hatten aber dasselbe Ziel—die Performance am Renntag zu verbessern.
Bezzecchi, vor heimischem Publikum, ging als WM-Spitzenreiter in das Italien-GP-Wochenende und legte am Freitag eine starke Basis. In der MotoGP-Qualifying-Praxis wurde er Siebter, nur 0,153 Sekunden hinter Fabio Di Giannantonio, der die schnellste Zeit fuhr. Das Ergebnis fiel zudem in eine Phase, in der Ducati in den vergangenen Jahren in Mugello oft dominant wirkte: Speedweek berichtete, dass fünf Fahrer auf Desmosedici-Maschinen in den Top 10 des Freitagstrainings lagen.
Auf die Frage, ob er in diesem Jahr mit Ducati mithalten kann, sagte Bezzecchi, Vergleiche seien schwierig, weil er eine Aprilia und keine Ducati fährt. „Wie immer ist es schwer, einen Vergleich zu ziehen—ich fahre die Aprilia und nicht die Ducati“, erklärte er. Dennoch betonte er, dass er sich gut fühle und der Fokus auf Eigenverbesserung liegen müsse, statt nur zu schauen, wer vorne ist. „Ich fühle mich gut. Alle Ducati-Fahrer sind konkurrenzfähig. Aber es geht nicht so sehr darum, wer gerade vorne ist—das Wichtigste ist, dass wir auf uns selbst schauen und uns Tag für Tag verbessern.“
Bezzecchi benannte auch, wo er den größten Abstand sieht: Zwar sei das Tempo besser, doch vor allem im Qualifying müsse noch am meisten gearbeitet werden. „Im Time Attack ist das der Bereich, in dem ich am meisten Probleme habe. Vom Tempo her sind wir besser, aber wir können auch dort noch besser werden“, sagte er.
Auch sein Teamkollege Jorge Martin schaffte es über den Freitag den Weg in Q2 und wurde dort Achter. Laut Speedweek gelang es zudem Ai Ogura und Raul Fernandez (Trackhouse) nicht, direkt in Q2 durchzukommen.
Morgens und über den Tag hinweg brachte Martins Freitag jedoch eine andere Art von Herausforderung mit sich. Nach einem crashreichen Catalan-GP-Wochenende—Motorsport.com berichtete, dass er in vier Tagen aus Rennen und Test in Barcelona sechs Mal gestürzt war—kam Martin mit Nachwirkungen eines Sturzes vom Barcelona-Test nach Mugello. Speedweek beschrieb, wie sich sein körperlicher Zustand im Tagesverlauf veränderte: „Am Morgen war ich noch super. Am Nachmittag hatte ich starke Schmerzen. Aber das gehört manchmal zu unserem Sport. Wir konnten uns trotzdem verbessern.“
Der Spanier verband die Schmerzen damit, dass er in schnellen Runden an seine Grenzen gehen konnte. „Ich konnte nicht mehr richtig atmen“, sagte er und ergänzte, dass er unabhängig davon Schmerzmittel nehmen werde. „Ich werde auf jeden Fall Schmerzmittel nehmen. Im Moment fühle ich mich okay, aber die Verletzung kann sich infizieren und wir müssen das unter Kontrolle halten.“
Diese Einschränkungen wirkten sich auch auf seine Möglichkeit aus, das Motorrad fein abzustimmen. Martin sagte, die Aprilia RS-GP habe sich ständig in Bewegung angefühlt, und er habe im Session nicht das richtige Gefühl gehabt. „Heute hatte ich kein gutes Gefühl. Wir müssen daran arbeiten, denn Mugello ist die Strecke, auf der sich das Motorrad für uns in diesem Jahr am schlechtesten anfühlt“, sagte er. Er fügte hinzu, dass das wachsende Verständnis des Teams für die Maschine ihnen helfe, zu wissen, was zu tun ist, und dass selbst kleine Änderungen auf der Strecke viel ausmachen können. „Zum Glück haben wir mit dem Bike mehr Erfahrung gesammelt und wir wissen, was wir tun müssen. Selbst eine kleine Änderung kann auf dieser Strecke sehr viel helfen.“
Auf die Frage, ob das Problem eher am Motorrad oder an ihm selbst liege, tendierte Martin zu Unsicherheit. „Vielleicht ist mein Bike komplett in Ordnung und es ist eigentlich ich“, sagte er. Er beschrieb das Gefühl, beim Bremsen mehrfach kurz vor einem Sturz zu stehen, obwohl er tatsächlich nicht gestürzt sei.
Da sich die Prioritäten des Wochenendes Richtung Ausdauer und Zielankunft verschieben, deutete Martin an, dass er möglicherweise vorsichtiger fahren müsse, um sowohl den Sprint als auch das Rennen am Sonntag durchzustehen. „Wir müssen langsamer fahren, sonst können wir nicht bis zum Ende durchhalten. Selbst für Fahrer in der besten körperlichen Verfassung ist diese Strecke hart“, sagte er.
Zusammengefasst machten die Freitag-Reports Mugello zu einem Test für Leistung und mentale wie körperliche Widerstandskraft: Bezzecchis Selbstvertrauen und seine WM-Position wurden durch die Notwendigkeit gedämpft, seine Time-Attack-Ausführung zu schärfen, während Martins Tempo und Setup-Arbeit durch Schmerzen und die psychischen Nachwirkungen seines schwierigen Barcelona-Aufenthalts geprägt waren.