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BORSOI: TOPRAK BRAUCHT ZEIT, LÄUFT ABER SCHON WIE QUARTARARO

19 May·

🇮🇹

Der Barcelona-Test hat für die MotoGP-Teams offiziell das Ende der gemeinsamen Arbeit mit den 1000-ccm-Maschinen markiert – zumindest im Rahmen der kollektiven Testprogramme. Wegen Regen, der gegen Mittag einsetzte, wurde der Plan vieler Mannschaften frühzeitig unterbrochen: Die Teams verließen den Circuit de Barcelona-Catalunya nach nur etwa einem halben Tag, wodurch sich die Möglichkeiten für Vergleiche und die Auswertung neuer Teile deutlich reduzierten. Besonders betroffen war dabei das Pramac Racing Team, das in Montmeló einen intensiven Testblock geplant hatte.

Pramac-Teammanager Gino Borsoi erklärte, dass man zwar einige Dinge testen konnte, aber keinen sauberen Vergleich durchführen konnte. Ein ganzer Tag hätte die Gelegenheit gegeben, auch weitere neue Komponenten zu prüfen, die Yamaha mitgebracht hatte. Dennoch seien die Ergebnisse der durchgeführten Tests „interessant“ gewesen: Toprak Razgatlioglu testete demnach einen neuen Rahmen und fühlte sich damit sofort besser als mit der vorherigen Version. Jack Miller wiederum arbeitete an neuen Winglets und berichtete vor allem in der Mitte der Kurve über ein spürbar besseres Gefühl, weil die Änderungen ihm beim Kurvenfahren mehr Stabilität bzw. bessere Einlenk- und Durchfahrbedingungen geben.

Für Yamaha ist der Testausfall laut Borsoi zwar ein Rückschlag, aber nicht entscheidend, weil die Marke aufgrund der noch bestehenden Konzessionen weiterhin die Möglichkeit hat, verlorene Zeit aufzuholen. Borsoi betonte zugleich die Belastung im gesamten Umfeld: Die Mechaniker seien „erschöpft“, und die Frage nach einem Testprogramm für die 1000-ccm-Bikes zwischen jetzt und dem Ende 2026 sei zwar grundsätzlich mit „ja“ zu beantworten, aber die Ressourcen seien begrenzt. Auch die Verfügbarkeit von Reifen sei ein Faktor, doch grundsätzlich werde man noch testen können. Diese Sessions seien wichtig, um die bereits erarbeiteten Ansätze weiter zu verfeinern.

Borsoi ordnete die Entwicklung als „work in progress“ ein, der langsam auf einen klareren Weg führt. Als Beispiel nannte er Fabio Quartararo: Der Franzose sei sowohl in den Trainings als auch im Testgeschehen präsent gewesen, was zeige, dass Yamaha offenbar Fortschritte identifiziert hat. Zudem verwies Borsoi auf die messbare Annäherung im Renntempo: Während es zu Saisonbeginn noch einen Abstand von eineinhalb Sekunden gegeben habe, schrumpfe dieser inzwischen auf etwa eine Sekunde – teils sogar darunter. Entscheidend sei dabei weniger die absolute Podiumsposition als der Benchmark: Schon ein halber Sekunden Rückstand reiche im MotoGP zwar nicht automatisch für das Podium, aber man könne die Distanz zu den anderen klarer einordnen.

Auch Razgatlioglu sieht Borsoi in einer Phase, in der noch nicht alles „in Sync“ ist, aber das Potenzial sichtbar wird. Borsoi stellte klar, dass Toprak nicht „schlecht“ fahre, sondern „anders“ – ein Stil, der aus der Superbike-Welt geprägt sei. Eine radikale Umstellung sei im aktuellen Zeitplan kaum möglich, weil sie in der Regel Zeit kostet und niemand im Rennen Zeit verlieren wolle. Der Anpassungsprozess bedeute daher zunächst Rückschritte, bevor sich die Fortschritte langfristig stärker auszahlen. Laut Borsoi zeige sich jedoch bereits in vielen Kurven anhand der Daten, dass Razgatlioglu schon lerne, sich dem Fahrstil von Quartararo anzunähern.

Der nächste Schritt im Kalender ist Mugello. Borsoi machte deutlich, dass Yamaha dort keine neuen Updates für die Top-Speed-Performance auf den Geraden einplant. Gerade in Mugello sei das Wochenende deshalb potenziell schwierig, weil die Strecke stark von der Motorleistung und der Geschwindigkeit auf den Geraden geprägt sei. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass Yamaha in den Kurven „mithalten“ könne: Das Bike verliere in den Kurven nicht gegen andere Marken, in manchen Bereichen sei man sogar etwas wettbewerbsfähiger. Borsoi verwies zudem darauf, dass später Strecken kommen könnten, deren Charakteristik Yamaha eher entgegenkommt.

Parallel zur 1000-ccm-Entwicklung arbeitet Yamaha weiter am 850-Projekt. Borsoi bestätigte, dass es für den 1000-ccm-Motor weitere Leistungs-Updates geben soll. Der genaue Zeitpunkt sei noch unklar, aber vor Ende des Jahres werde es voraussichtlich ein Update geben – möglicherweise sogar zwei. Diese Philosophie, die man beim Motor findet, könne auch auf die 850er-Entwicklung übertragen werden.

Für die kommenden Tests zur 850er nannte Borsoi konkrete Fahrer: Ein Fahrer sei Fernandez als Testpilot, der zweite sei aktuell Toprak. Sobald die Entwicklung für das nächste Jahr beginne, könnten nur noch die Fahrer der kommenden Saison testen. Offener blieb die Frage nach dem Teamkollegen von Razgatlioglu für 2027. Zwar kursieren Gerüchte, dass Izan Guevara aufsteigen könnte, Borsoi betonte jedoch, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Man wolle sich zunächst darauf konzentrieren, das Motorrad weiter richtig zu entwickeln, und auch Guevaras Situation in der Moto2 berücksichtigen: Es seien erst wenige Rennen absolviert, und es sei noch nicht sicher, ob er bis zum Saisonende als Titelanwärter durchgehend konkurrenzfähig sein kann. Bis dahin gehe man „race by race“ vor, um sowohl die M1 als auch die sportliche Planung sauber auszurichten.

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