VALENTINO ROSSI FRAGT DIGGIA: „BIST DU SICHER, DASS DU GEHEN WILLST?“ NACH KATALONIEN-SIEG
20 May·

Fabio Di Giannantonio feierte beim Großen Preis von Katalonien einen „Traum“-Sieg – und Valentino Rossi war dabei. Der VR46-Pilot, der nach seinem ersten Premierensieg 2023 zuvor nur zweimal auf dem Podium gestanden hatte, gewann in Barcelona nach einem dramatischen Rennen, das durch zwei Rote Flaggen und mehrere Zwischenfälle geprägt war. Für VR46 war es zugleich der erste MotoGP-Treffer seit 2023; zuletzt hatte Marco Bezzecchi am 2023er Indian Grand Prix gewonnen. Di Giannantonio setzte sich im verkürzten bzw. neu gestarteten Rennen gegen den Führenden Pedro Acosta durch und holte damit VR46s ersten Sieg seit dem Wechsel in die Ducati-Welt.
Rossi, der als neunfacher Weltmeister trackside anwesend war, betonte nach dem Erfolg, wie sehr Di Giannantonio in diesem Wochenende unterstützt worden sei. Di Giannantonio selbst sagte, Rossi habe „uns sehr geholfen“ und das gemeinsame Feiern mit dem „Vale“ sei für ihn etwas gewesen, das er „nie hätte träumen können“. Als er nach dem Stopp auf der Strecke mit Rossi emotional wurde, beschrieb er den Moment als besonders bewegend. Rossi wiederum brachte seine Freude in der Team-Inszenierung nach dem Rennen zum Ausdruck, als er Di Giannantonio scherzhaft fragte, ob dieser wirklich „sicher“ sei, das Team zu verlassen.
Der Weg zum Sieg war allerdings alles andere als geradlinig. Di Giannantonio ging das Rennen mit einer Handverletzung an, die ihn beim Fahren beeinträchtigte. Zudem wurde er während der ersten großen Kollision zwischen Alex Marquez und Pedro Acosta von Trümmern getroffen. Diese Szene führte zum Stopp des ursprünglichen Rennens. Nach einer zweiten Roten Flagge – ausgelöst durch einen schweren Unfall in Kurve 1, bei dem Johann Zarco ernsthafte Verletzungen am Bein erlitt – kam es zu einem weiteren Neustart. In dieser Phase jagte Di Giannantonio den neuen Führenden Acosta und konnte sich schließlich mit drei Runden vor Schluss an die Spitze setzen. Von dort aus brachte er den Sieg ins Ziel und sicherte VR46 damit den ersten Erfolg seit dem Ducati-Umfeldwechsel.
In den Kontext der Saison eingeordnet, unterstreicht der Sieg Di Giannantonios Rolle als derzeit führender Ducati-Fahrer im Gesamtklassement. Nach sechs Rennen liegt er nur 24 Punkte hinter dem Meisterschaftsführenden Marco Bezzecchi. Di Giannantonio ordnete die Lage dennoch vorsichtig ein: Er wolle zwar in eine Titelrolle hineinwachsen, betonte aber, dass es zu früh sei, bereits konkrete Aussagen über die Meisterschaft zu treffen. Sein Ziel sei es gewesen, in der vorderen Gruppe zu stehen – und er sehe eine „große Chance“ mit einem starken Team und einem konkurrenzfähigen Motorrad. Gleichzeitig stellte er klar, dass er sich noch verbessern müsse: Er sprach davon, dass man aktuell „dritte“ sei, aber „gut arbeite“, um so nah wie möglich an die Aprilia-Piloten heranzukommen. Der Fokus liege darauf, weiter zu lernen und die Entwicklung für Team, Maschine und sich selbst fortzusetzen.
Neben dem sportlichen Ergebnis rückte beim Catalunya-Wochenende auch die Zukunft von VR46 in den Mittelpunkt. Di Giannantonio gilt als Fahrer, der nach seinem Aufstieg zum Ducati-Leitrider weithin als Kandidat für den Wechsel zum KTM-Projekt für die neue 850-ccm-Ära gehandelt wird. Rossi griff diese Erwartung in seinem humorvollen Kommentar auf („Are you sure you want to leave us?“) – verbunden mit Lob und einer Umarmung während der Team-Feierlichkeiten. Gleichzeitig machte Rossi deutlich, dass VR46 für die nächste Saison mindestens einen italienischen Fahrer behalten wolle, da die Teamidentität historisch mit italienischen Talenten gewachsen sei. Konkrete Entscheidungen seien jedoch noch nicht getroffen.
Für die mögliche zweite VR46-Position wurden verschiedene Namen in Verbindung gebracht: Fermin Aldeguer wird als Kandidat genannt, der von Gresini zu VR46 wechseln könnte. Allerdings ist unklar, wer Aldeguers Teamkollege 2027 sein wird, da es große Zweifel an der Zukunft von Franco Morbidelli gibt. Als mögliche Optionen wurden außerdem Nicolo Bulega (WorldSBK-Titelanführer), Rossi-Bruder Luca Marini sowie Celestino Vietti genannt, der im Moto2-Wochenende als Zweiter ins Ziel gekommen war.
In Summe verband sich in Katalonien ein sportlicher Durchbruch mit einem wichtigen Signal für die Meisterschaftsfrage: Di Giannantonios Sieg unter schwierigen Bedingungen – trotz Verletzung, Trümmerkontakt und zwei Roten Flaggen – brachte VR46 zurück auf die oberste Stufe. Gleichzeitig zeigte das Wochenende, dass die Fahreraufstellung für die kommenden Jahre bereits jetzt ein zentrales Thema im VR46-Lager ist, während Rossi den Erfolg mit Blick auf die Team- und Fahrerkontinuität einordnete.