MOTOGP-CHEF VERTEIDIGT DOPPELTEN NEUSTART DES KATALONIEN-GP
19 May·

Der MotoGP-Sportdirektor Carlos Ezpeleta hat sich nach dem chaotischen Catalan Grand Prix in Barcelona gegen Kritik an der Rennleitung positioniert. In dem Rennen kam es zu zwei schweren Zwischenfällen, die jeweils zu einem Abbruch führten – dennoch wurde das Rennen zweimal wieder aufgenommen. Ezpeleta erklärte, dass die Entscheidungen der Rennleitung und der FIM im Rahmen der Regeln korrekt gewesen seien, betonte aber zugleich, dass man mit Teams und Fahrern über mögliche Sicherheitsverbesserungen sprechen wolle.
Im ersten Zwischenfall versuchte Alex Marquez, einer Situation auszuweichen, die durch Pedro Acostas langsamer werdende KTM auf dem Weg zu Kurve 10 ausgelöst wurde. Marquez’ Ausweichmanöver führte zu einem Stopp. Nach der ersten Unterbrechung wurde das Rennen wieder gestartet, wodurch die Fahrer erneut die anspruchsvolle Situation in der Startphase und insbesondere in der ersten Kurve bewältigen mussten. Doch es kam erneut zu einem schweren Unfall: Johann Zarco geriet in eine Kollision, bei der sein Bein in der Maschine von Francesco Bagnaia in Kurve 1 eingeklemmt wurde. Auch dieser Vorfall führte zu einem zweiten Abbruch.
Ezpeleta zeigte sich erleichtert, dass beide Fahrer – trotz der schweren Verletzungen – nicht noch schlimmer getroffen wurden. Er wies außerdem die Einschätzung zurück, der Barcelona-Kurs sei grundsätzlich unsicher oder das Rennen hätte abgebrochen werden müssen. Seiner Darstellung nach handelte es sich bei den beiden Ereignissen um Ausnahmen, die zwar im Rennsport vorkommen können, aber nicht die „Normalität“ darstellen. Er verwies zudem darauf, dass KTM und die Meisterschaft den Vorfall rund um Acostas Situation und das Geschehen am Motorrad von Acosta untersuchen sollen.
Zur Frage, warum nach den Unfällen weitergefahren wurde, erklärte Ezpeleta, dass die Rennleitung nach den Regeln vorging. In beiden Fällen seien Rettungswagen schnell vor Ort gewesen. Marquez und Zarco seien vom medizinischen Personal als bei Bewusstsein eingestuft worden und anschließend zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht worden. Beide Fahrer seien inzwischen wieder nach Hause zurückgekehrt, um ihre Genesung fortzusetzen.
Ezpeleta betonte, dass das Wiederaufnehmen des Rennens in einem solchen Kontext „normal“ sei. Da beide Fahrer nicht in einem kritischen Zustand gewesen seien und bei Bewusstsein waren, sei es üblich, das Rennen unter diesen Bedingungen fortzusetzen. Er räumte ein, dass die Unfälle sehr „grafisch“ gewesen seien und die Bilder schockiert hätten – genau diese Eindrücke hätten vermutlich die Diskussion über die Sicherheit und die Entscheidung der Rennleitung ausgelöst. Dennoch sei die übliche Vorgehensweise gewesen, das Rennen fortzuführen.
Gleichzeitig wurde die Debatte über Sicherheit und Mitbestimmung im Fahrerlager weitergeführt. Pedro Acosta äußerte sich dazu, ob MotoGP eine Fahrervereinigung nach dem Vorbild der Formel 1 sinnvoll oder überhaupt umsetzbar sei. Er zeigte sich skeptisch und sagte, die MotoGP sei zu „egozentrisch“. Acosta verwies darauf, dass es zwar für Hersteller und Teams eigene Verbände gebe, aber keine kollektive Struktur, die ausschließlich die Interessen der Fahrer in den Vordergrund stellt.
Er erinnerte daran, dass Fahrer zwar in wöchentlichen Safety-Commission-Meetings ihre Anliegen einbringen können, stellte aber infrage, ob ein solches Gremium kurzfristig konkrete Probleme verhindern könne. Er argumentierte, dass das, was am Wochenende passiert sei, nicht zwangsläufig durch ein Safety-Commission-Treffen in der unmittelbaren Vorbereitungsphase hätte vermieden werden können. Acosta stellte außerdem klar, dass eine gemeinsame Linie der Fahrer schwierig sei: In der Praxis müsse „jeder“ mitziehen, andernfalls werde es keine geschlossene Entscheidung geben.
Als Beispiel nannte Acosta die Situation, dass ein Fahrer – etwa aus sportlichen Gründen – nicht antreten wolle, während ein direkter Titelkonkurrent dennoch an den Start geht. In einem solchen Fall würde die Mehrheit der Fahrer dem Beispiel folgen, weil alle auf ihre eigenen Chancen ausgerichtet seien. Acosta beschrieb damit die strukturelle Hürde für eine einheitliche Blockade oder ein gemeinsames Vorgehen.
Auch andere Fahrer hatten im Zuge des Barcelona-Chaos über mögliche Lösungen diskutiert. In den Berichten wurde unter anderem erwähnt, dass einige die Idee ansprachen, das Startprozedere zu verändern, um die Fahrer früher an die erste Kurve heranzuführen und damit die Annäherung an den harten Bremsbereich zu entschärfen. Acosta äußerte sich dazu jedoch kritisch und verwies darauf, dass ein veränderter Startpunkt das Problem nicht automatisch löse, da bei einem missglückten Start die gleiche Gefahr entstehen könne.
Insgesamt zeigt sich nach dem Catalan Grand Prix ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite verteidigt Ezpeleta die Rennleitungsentscheidungen als regelkonform und im Rahmen der medizinischen Lage als vertretbar. Auf der anderen Seite bleibt die Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen und über die Frage, wie Fahrerinteressen künftig wirksamer gebündelt werden können, weiterhin offen. Ezpeleta kündigte an, dass es nun ein Debriefing mit Teams und Fahrern geben werde, um mögliche Verbesserungen für die Zukunft zu identifizieren.