PRAMAC ERKLÄRT STRAFEN NACH KATALONIEN: MILLER UND RAZGATLIOGLU BETROFFEN
23 May·

Beim Catalan MotoGP-Rennen sorgte eine Reihe von Strafen wegen zu niedrigen Reifendrucks für Diskussionen in der MotoGP-Paddock. Insgesamt wurden fünf Fahrer – darunter Jack Miller und sein Pramac-Teamkollege Toprak Razgatlioglu – nach dem Rennen mit 16-Sekunden-Zeitstrafen belegt, nachdem sie die Mindestvorgaben beim Reifendruck nicht erfüllt hatten. Auch Joan Mir, Raul Fernandez und Alex Rins gehörten zu den Betroffenen. Nur Pecco Bagnaia wurde von der Sanktion ausgenommen, nachdem bei ihm ein Leck am Felgenbereich festgestellt wurde.
Die Strafen hatten spürbare Auswirkungen auf die Endplatzierungen. Für Miller und Razgatlioglu bedeutete die nachträgliche Korrektur jeweils den Verlust von einer Position: Miller wurde auf Rang 15 geführt, Razgatlioglu auf Rang 16. Obwohl der Abstand zum Sieger Fabio di Giannantonio durch die 16 Sekunden rechnerisch mehr als verdoppelt wurde, blieb der sportliche Effekt am Ende vergleichsweise begrenzt – zumindest im direkten Ergebnis der überarbeiteten Klassifikation.
Im Zentrum der Debatte stand dabei nicht nur die Regel selbst, sondern die besondere Rennsituation in Catalunya. Normalerweise müssen Fahrer über 60 Prozent der Renndistanz oberhalb des Mindestdrucks bleiben. Durch die dritte Wiederaufnahme (Restart) wurde das Rennen jedoch auf nur 12 der ursprünglich geplanten 24 Runden verkürzt. Dadurch sank die erforderliche Quote auf 30 Prozent – also auf das Niveau eines Sprints. Trotz dieser Anpassung kam es zu einer ungewöhnlich hohen Zahl an Verstößen.
Pramac-Teamchef Gino Borsoi erklärte, warum es für Teams und Fahrer in dieser Konstellation besonders schwierig sei, den richtigen Druck zu treffen. Er verwies darauf, dass das Rennen kurz sei und die Fahrer dadurch weniger Zeit hätten, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Zudem sei es ein Unterschied, ob ein Fahrer alleine agiert oder sich im Feld befindet: In einem engen Umfeld könne sich das Aufwärmen und damit die Druckentwicklung anders darstellen. Borsoi betonte außerdem das Risiko beider Extreme: Zu hoher Startdruck, um sicher innerhalb der Regeln zu bleiben, sei gefährlich; zu niedriger Druck führe hingegen zur Strafe. Für die Techniker sei es daher nicht leicht, den optimalen Startpunkt zu finden.
Auch Mir meldete sich kritisch zu Wort. Der Honda-Pilot hatte nach eigenen Angaben eine „winzige“ Unterschreitung des Reifendrucks gekostet, die ihm die erste Podiumsplatzierung der Saison genommen habe. Mir war im Restart lange Zweiter, musste die Position kurzzeitig an di Giannantonio abgeben und holte sich in den Schlussrunden den zweiten Platz zurück – bevor die Strafe die Platzierung nachträglich veränderte. Als höchstplatzierter der fünf Fahrer mit 16-Sekunden-Sanktion wurde Mir am Ende von Rang 2 auf Rang 13 zurückgestuft.
Mir stellte dabei vor allem die Logik der Strafbemessung infrage. Er argumentierte, dass das verkürzte Rennen faktisch eine Sprintdistanz abbildete: Die erforderliche Quote wurde auf 30 Prozent reduziert, wie im Sprint. Dennoch wurde die Strafe wie im „langen“ Grand Prix berechnet. Mir sagte sinngemäß, dass die Strafe damit härter ausfalle als erwartet, weil die Fahrer im Ziel näher beieinander liegen als über die volle Distanz. Ohne die Sanktion hätte er nach seiner Einschätzung deutlich besser dastehen können – er nannte als Beispiel, dass er im vollen Rennen nach der Druckstrafe vermutlich auf Rang 8 oder 9 gelandet wäre, während er nun auf Platz 13 landete.
Neben der Rennverkürzung spielte in Catalunya laut Borsoi auch die Streckencharakteristik eine Rolle. Die geringe Grip-Qualität habe dazu geführt, dass es länger gedauert habe, bis die Reifen ausreichend Wärme aufgebaut hätten und der Reifendruck entsprechend stabil gewesen sei. Genau diese Verzögerung beim Aufwärmen könne erklären, warum mehrere Fahrer die Vorgaben verfehlten.
Für die Zukunft bleibt die Frage offen, wie der Reifenlieferant Pirelli – der ab der nächsten Saison Michelin als exklusiven Partner ablöst – die Definition von „low tyre pressure“ festlegen wird. Zum Zeitpunkt der Berichte gab es hierzu noch keine bestätigten Details.
In der Gesamtbetrachtung zeigt sich: Die Kombination aus mehreren Restarts, einer verkürzten Renndistanz, der daraus resultierenden Anpassung der Prozentvorgabe sowie den Bedingungen in Catalunya führte zu einer Häufung von Verstößen. Während Pramac die technische Herausforderung betonte, stellte Mir die Fairness der Strafhöhe im Verhältnis zur Sprint-ähnlichen Distanz infrage.