TECHNIKGENIES UND TEAMARBEIT: WIE HERSTELLERERFOLG IN DER MOTO GP ENTSTEHT
23 May·
Die Berichterstattung von Speedweek ordnet den Erfolg moderner Hersteller in der MotoGP stark in den Kontext technischer Köpfe ein – stellt dabei aber zugleich klar, dass einzelne Genies allein nicht den Ausschlag geben. Als prägende Figur wird zunächst Adrian Newey aus der Formel 1 genannt, während in der MotoGP in den vergangenen Jahren vor allem Ducati mit technischen Innovationen in den Fokus gerückt sei. Ducati habe sich demnach zur Nummer 1 entwickelt und mit Pecco Bagnaia, Jorge Martin und Marc Marquez vier Weltmeistertitel in Folge gewonnen.
Im Mittelpunkt der Herstellerperspektive steht Gigi Dall’Igna, General Manager von Ducati Corse. Speedweek zeichnet seinen Werdegang nach: In der Zweitaktära habe er Aprilia zu zahlreichen Siegen in den 125er- und 250er-Klassen geführt. Danach habe er den Hersteller in die Superbike-WM gebracht, wo Max Biaggi mit der revolutionären RSV4 – mit „MotoGP-DNA“ – 2010 und 2012 Titel geholt habe. Seit 2013 arbeitet Dall’Igna bei Ducati, und der MotoGP-Motor aus Borgo Panigale sei über Jahre als besonders stark wahrgenommen worden. Auch bei aerodynamischen Themen und mit der Einführung eines höhenverstellbaren Fahrwerks habe Ducati der Konkurrenz zeitweise vorausgelegen.
Die zentrale Frage lautet laut Speedweek jedoch, wie groß der Anteil eines einzelnen „Großhirns“ am Erfolg tatsächlich ist. Als Antwort wird betont, dass ein Chef vor allem den Überblick behält. Ein Spitzentechniker wird mit der Aussage zitiert, dass es im Rennsport nicht darum gehe, dass sich eine Person allein einen neuen Motor oder ein einzelnes Bauteil „ausdenkt“. Für die Entwicklung eines neuen Motors seien vielmehr große Teams nötig – im Beispiel werden 150 Personen genannt. Der Unterschied entstehe deshalb durch das Management von Ideen und durch die Fähigkeit, die Stärken der Mitarbeitenden gezielt einzusetzen.
Speedweek beschreibt außerdem, dass auf dem heutigen technischen Niveau der MotoGP Spezialwissen für jeden einzelnen Aspekt erforderlich ist. Konzepte könnten zwar entworfen werden, doch die Umsetzung erfordere Erfahrung und Detailkompetenz. Der Chef sei daher nicht derjenige, der jedes Detail ausarbeitet, sondern erkenne, wer im Team wofür besonders gut ist. Als Vergleich werden aus der Formel 1 Ross Brawn und Rory Byrne herangezogen: Beide hätten eine „Aura“ gehabt, aber sie seien von großen Organisationen getragen worden. Wenn beispielsweise ein Auto leichter werden müsse, arbeiteten viele Teams daran, am Ende entstünden durch viele kleine Beiträge messbare Gesamtgewinne.
Damit fasst der Beitrag die Logik des modernen Rennsports zusammen: Herausragende Resultate entstehen durch die Kombination aus technischer Führung, Teamstruktur und der konsequenten Nutzung von Stärken – nicht durch die isolierte Leistung einer einzelnen Person.