ITALIENS NACHWUCHSKRISE: FMI SETZT AUF TALENTI AZURRI UND FAHRSCHULEN
20 May·
Italiens Nachwuchsdebatte im MotoGP-Umfeld hat sich zuletzt zugespitzt: Vier Jahre lang warteten heimische Fans auf einen Moto3-Sieger aus Italien, bis Guido Pini 2026 in Austin triumphierte. Die Durststrecke begann mit dem letzten italienischen Erfolg in der Klasse Moto3 durch Dennis Foggia in Thailand 2022. In den 2010er-Jahren galt Italien gemeinsam mit Spanien als dominierende Talentschmiede des Grand-Prix-Sports; heute sind zwar viele Fahrer aus dem Land in der MotoGP vertreten (u. a. Marco Bezzecchi, Francesco Bagnaia, Enea Bastianini, Franco Morbidelli, Fabio Di Giannantonio), doch die Frage bleibt, warum der Nachwuchs nicht in ähnlicher Dichte nachrückt.
Als zentrales Problem nennt die Federazione Motociclistica Italiana (FMI) vor allem fehlendes Geld. Der Verband beschreibt sich als große Organisation mit 1700 Vereinen, 110.000 Mitgliedern und 16.000 aktiven Rennlizenzen sowie 23 Disziplinen. Kernprojekt für den Nachwuchs sind die „Talenti Azurri“: In diesem Jahr wurden 89 Fahrer aufgenommen. Laut FMI-Vertretern erhalten die Talente Trainingstage mit Verbandstechnikern, Motorräder für das Heimtraining und Stipendien; im vergangenen Jahr habe die Gruppe rund 35 gemeinsame Trainingstage an verschiedenen Strecken absolviert. Auch Fahrer wie Luca Lunetta oder Guido Pini seien über dieses Programm über Jahre hinweg in die Weltmeisterschaft gelangt.
Finanziell sei die Lage jedoch angespannt: Die FMI wirtschaftet mit rund 27 Millionen Euro Jahresbudget, davon steuert der Staat etwa 5 Millionen bei – weniger als 20 Prozent. Im Vergleich dazu würden olympische Verbände in Italien deutlich höhere staatliche Anteile erhalten. „Wenn wir mehr Geld hätten, wäre es einfacher“, wird Copioli zitiert. Den Rest müsse der Verband selbst erwirtschaften, etwa über Mitgliedsbeiträge, Dienstleistungen und einen großen Pool an historischen Motorrädern.
Um Talente früh zu identifizieren, hat die FMI zudem ein Netz zertifizierter Fahrschulen nach dem Vorbild von Fußballakademien aufgebaut. Für 500 Euro Jahresbeitrag erhalten diese Schulen Versicherungsschutz und föderale Anerkennung; Kinder können dort kostenlos in den Sport hineinschnuppern. Mit dem Konzept will die FMI etwa 10.000 Kinder pro Jahr erreichen.
Als weiterer Grund für die schwierigere Talentproduktion nennt Copioli den Vergleich mit Spanien. Dort funktioniere das System trotz kleinerem Verband leichter – unter anderem wegen besserer Winterbedingungen, günstigeren Streckenpreisen und staatlich subventionierten Rennpisten. Ein Testtag in Italien (z. B. Mugello, Misano, Imola) koste laut Aussage etwa 200 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, während vergleichbare Tage in Spanien nur einen Bruchteil davon ausmachten.