Skip to content
64°

PECCO BAGNAIA: «WIR MÜSSEN VERSTEHEN, WAS MARC GEMACHT HAT!»

3d ago·

Das Rennwochenende von Jorge Martin auf dem Balaton Park Circuit in Ungarn war von zwei gegensätzlichen Themen geprägt: genug Tempo, um im Kampf um Q2 und die Spitze der Sprintgruppe mitzuhalten, und zugleich eine anhaltende Unsicherheit bezüglich des Aprilia-Limits – besonders, sobald der Druck steigt.

Am Freitag ging Martin mit Schwung in das Qualifying am Samstag. Er sagte, es sei „ein guter Tag“ gewesen. Sein größtes anhaltendes Problem sieht er weiterhin in der Time-Attack-Phase: „Das Time Attack ist immer noch das, wo ich die meisten Probleme habe.“ Dennoch spürte er nach Mugello wieder mehr Vertrauen in das Vorderrad: „Das gute Gefühl für den vorderen Bereich ist zurück.“ Der Spanier räumte außerdem ein, dass beim Fahren einer kompletten Runde am absoluten Limit „immer wieder neue Probleme“ auftauchen – dort müsse er sich verbessern.

Diese Schwierigkeit bei der Konstanz zeigte sich auch in den Zahlen. Martin ging als Neunter in Q2. Zwar war er nicht weit weg von der Spitze, verlor aber 0,9 Sekunden auf den schnellsten Fahrer des Tages, Pedro Acosta. Auch zu Marco Bezzecchi auf Rang sechs fehlten nur 0,2 Sekunden – ein Hinweis darauf, dass das Aprilia-Tempo vorhanden ist, aber noch nicht vollständig kontrollierbar.

Martins Aussagen nach dem Sprint unterstrichen dieses Bild. Sein Ziel für das Wochenende war, in den ersten drei Reihen zu starten, um die Wiederholung der Situation vom Vorjahr vom 16. Platz zu vermeiden. Im Qualifying gelang ihm das: Er wurde Achter in Q2 und beendete den Sprint dann als Sechster. Allerdings konnte er seinen Teamkollegen Bezzecchi nicht schlagen.

Der Sprint selbst enthielt mehrere Momente, die ihn früh zurückwarfen. Martin sagte, er habe in der ersten Kurve „nicht wirklich gewusst, wo hin“: Das brachte ihn sofort im Klassement nach hinten. Danach kämpfte er sich zurück – unter anderem mit einem schnellen Überholmanöver an Francesco Bagnaia –, um wieder in Richtung der führenden Gruppe zu gelangen. Ein entscheidender Zwischenfall passierte, als er Diogo Moreira einholen wollte: Martin erklärte später, er habe später gebremst als erwartet und dabei die Schikane geschnitten. In so einer Situation müsse der Fahrer etwa eine Sekunde verlieren, um keinen Vorteil zu erlangen. Er gab zu, dass er dadurch den Kontakt zur Spitze verloren habe.

Im Verlauf des Sprints überholte Martin Moreira schließlich und rückte wieder in den Kampf um das Podium vor, machte aber in Kurve 15 erneut einen Fehler, weil er zu weit außen blieb. „Ich habe an der Stelle einen Konzentrationsfehler gemacht“, sagte er ganz offen. Er verband den Fehler mit fehlendem Vertrauen ins Vorderrad: Er berichtete, er habe „kein gutes Gefühl für das Vorderrad“ gehabt, und bemängelte mangelnden Grip.

Neben den individuellen Fehlern verwies Martin auch auf eine strukturelle Schwäche der Aprilia auf diesem Streckentyp. Er sagte, sobald die Bremsen gelöst sind, habe das Motorrad Probleme, die Linie zu halten. Mit weniger Downforce werde es zudem in langsamen Kurven beim Einlenken schwieriger. Im Gegensatz dazu fühlte er, dass die RS-GP im zweiten Streckenabschnitt sehr konkurrenzfähig ist – dort, wo mehr Downforce anliegt.

Dieses Thema floss auch in seine breitere Sicht auf das Rennhandwerk in Balaton Park ein. Martin warnte, dass Überholen hier ungewöhnlich riskant sei: „Jeder Überholversuch ist hier ein Risiko, du kannst drei oder vier Positionen verlieren.“ Er ergänzte, dass man, wenn man angreift, sicher sein müsse, dass es funktioniert – sonst stecke man hinter anderen fest.

Nach dem Sprint spiegelte auch die Punkte-Situation die Herausforderung wider. Martin sagte, er liege in der WM-Tabelle 20 Punkte hinter seinem Teamkollegen Bezzecchi.

Währenddessen endete der Sprint von Pecco Bagnaia mit dem neunten Platz, nachdem er von Rang fünf gestartet war. Er beschrieb einen starken Start, dann aber Probleme, in die erste Kurve zu kommen: Dort verlor er Positionen, weil andere Fahrer an ihm vorbeigingen. Außerdem sagte er, er und Jorge Martin hätten sich zu Beginn beide Boden verloren, wobei Bagnaia das Gefühl hatte, er habe mehr eingebüßt. In Kurve 2 gelang es ihm, wieder an die Linie heranzukommen, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern. Dennoch kämpfte er weiter mit Zeitverlust beim Herausbeschleunigen – speziell in den Kurven 4 und 17.

Bagnaia zog zudem Parallelen zu den Traktions-Verbesserungen von Marc Marquez. Er sagte: „Wir müssen verstehen, was Marc gemacht hat!“ Er merkte an, dass er selbst Probleme mit der Traktion habe und die Schwierigkeiten am Freitag ähnlich gewesen seien, Marquez aber heute bei der Beschleunigung einen „großen Schritt“ gemacht habe. Bagnaia deutete an, dass die Lösung möglicherweise in ihrer eigenen Garage zu finden sei.

Er hob außerdem die Anforderungen der Strecke hervor: Kurve 1 ist neu asphaltiert, und der Grip hängt stark davon ab, innen zu fahren, wo die Traktion höher ist. Auch Kurve 7 nahm er in den Fokus, weil dort Steine aus dem Asphalt kommen können. Unter diesen Bedingungen könne man spüren, wie sich die Steine bewegen, und er betonte, dass das Team das in Zukunft berücksichtigen müsse.

Mit Blick nach vorn sagte Bagnaia, er sei mit dem neunten Platz nicht zufrieden, aber er sei ermutigt von der Leistung, die er auf einer Strecke zeigen könne, die nicht optimal zu seinem Fahrstil passe. Er zeigte sich zuversichtlich, morgen um die Top fünf zu kämpfen, und sagte, er freue sich bereits auf Brno und Assen.

View sources