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MARTIN VERURSACHT STARTCHAOS IN UNGARN UND BEZZECCHI SCHEIDET AUS

2d ago·

Der Große Preis von Ungarn am Balaton Park ist für Aprilia in einem Moment gekippt, in dem sich Marco Bezzecchi eigentlich gute Chancen auf einen weiteren WM-Schub ausgerechnet hatte. Trotz Startplatz 6 hatte der Italiener sich nach dem Warm-up noch einmal deutlich mehr zugetraut: Platz 3 im Warm-up, sogar vor Marc Marquez, stimmte ihn zuversichtlich. Auch die Entscheidung, im Rennen mit einem Medium-Hinterreifen zu gehen, sollte die eigenen Stärken über die lange Distanz ausspielen. Dass Aprilia zuletzt bereits mit starken Ergebnissen auf sich aufmerksam gemacht hatte, zeigte sich auch im Sprint, wo Bezzecchi ebenfalls Drittschnellster gewesen war.

Doch der Start verlief wie eine Wiederholung eines Albtraums: Jorge Martin, der sich beim Start mehrere Plätze hinter Bezzecchi einsortiert hatte, verpasste erneut den Bremspunkt. Wie schon im Vorjahr in Japan endete das für Bezzecchi und weitere Aprilia-Piloten im Chaos. Im Ungarn-Rennen wurde Bezzecchi zusammen mit Raul Fernandez und Fermin Aldeguer in der ersten Kurve aus dem Rennen gerissen. Fabio Di Giannantonio konnte dagegen weiterfahren und noch Punkte holen. Martin selbst wurde nach dem Zwischenfall ins Medical Center gebracht; Aprilia bestätigte später, dass beide Fahrer glimpflich davonkamen und lediglich Prellungen erlitten.

Ducati-Pilot Francesco Bagnaia ordnete das Geschehen aus seiner Sicht ein: Martin sei „mit doppelter Geschwindigkeit“ auf den Bremspunkt zugerast, das Vorderrad habe blockiert, wodurch er die Kontrolle über seine RS-GP verloren habe. Aprilia-Rennchef Massimo Rivola machte zusätzlich den Zustand der Strecke in der ersten Kurve zum Faktor: „Der Bitumen kam heraus, es war sehr rutschig.“

Während Martin nach dem Rennen nicht öffentlich Stellung bezog, versuchte Rivola, das Geschehen im Fahrerlager einzuordnen und gleichzeitig die emotionale Lage zu beruhigen. „Wir müssen in erster Instanz froh sein, dass sich kein Pilot ernsthaft verletzt hat“, sagte Rivola. Gleichzeitig entschuldigte er sich bei allen, die in den Crash involviert waren – ausdrücklich auch bei Fermin und Diggia. Mit Bezzecchi habe er noch nicht ausführlich sprechen können, aber: „Für ihn ist es ebenfalls sehr wichtig, dass es keine Verletzungen gab.“

Rivola ließ sich trotz des „schlechten Tages“ nicht in eine Depression treiben. Er stellte klar, dass dieses Ergebnis nicht die gesamte Woche überwiegt: „So schlecht dieser Tag auch war, er überwiegt nicht unsere Erfolgserlebnisse in der vergangenen Woche in Italien.“ In Mugello hatte Aprilia Ducati zuvor geschlagen, doch nun habe sich das Team selbst aus dem Rennen geschossen. Sportlich bleibt die Lage damit zweigeteilt: Bezzecchi und Martin liegen in der WM weiterhin vorn, bei den Herstellern konnte Ducati am Balaton aber aufholen. Zwischen den italienischen Werken und Ducati sind laut Bericht nur noch 13 Punkte.

Die sportlichen Folgen des Unglücks waren dennoch massiv. Bezzecchi verlor im Titelkampf 30 Zähler auf den Weltmeister, weil auch die direkten Konkurrenten – darunter Marquez und Acosta – am Balaton Park volle Punkte holten. Rivola betonte zudem, wie groß der Schaden im Vergleich zur Ausgangslage ist: Martin bleibt WM-Zweiter mit 160 Punkten, doch der Titelkampf dürfte sich im Verlauf der Saison noch deutlicher zeigen. Vor allem Márquez, der beide Läufe am Balaton Park gewann, schmolz den Vorsprung auf Bezzecchi auf 72 Punkte zusammen.

Rivola ordnete den Unfall außerdem in eine Serie ein: Er zog einen Vergleich zu Martins Startcrash in Japan 2025. „Die Ausgangslage ist ähnlich, aber der Fehler war ein anderer“, erklärte er. Damals habe Martin überbremst, diesmal habe er die Vorderbremse in diesem Streckenabschnitt nicht so gehandhabt, wie er es hätte tun sollen. „Ein kleinerer Fehler – aber mit demselben Ergebnis. Für uns sogar noch schlimmer.“

Als zusätzliche Vorgeschichte nannte Rivola die interne Krisensitzung nach der Kollision in Barcelona: Dort hatte Fernandez Martin berührt und war gestürzt. Die klare Ansage an die Aprilia-Piloten lautete damals, sich nicht gegenseitig zu behindern. Dass nun ausgerechnet Martin sowohl Bezzecchi als auch Fernandez abräumte, dürfte die Stimmung im Team zusätzlich belastet haben. Rivola berichtete aber auch von einem positiven Moment: „Das Erste, was Jorge getan hat, war, zu Marco und allen Crews zu gehen und sich zu entschuldigen. Wenn es passiert ist, ist es passiert – aber immerhin ist das eine gute Geste.“

So wurde aus einem Rennen, das Bezzecchi mit mutiger Reifenwahl und vielversprechenden Eindrücken im Warm-up angehen wollte, ein Startdrama, das Aprilia gleich mehrfach aus dem Titelrennen warf – und den WM-Fokus wieder deutlich in Richtung der Verfolger verschob.

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