MOTOGP PRÜFT AB 2027 REGELÄNDERUNG: NUR NOCH EIN MOTORRAD PRO FAHRER
20 May·

Die MotoGP prüft Berichten zufolge eine grundlegende Regeländerung ab der Saison 2027: Statt wie bisher zwei Motorräder pro Fahrer könnten die Teams dann nur noch ein einziges Bike zur Verfügung haben. Die Idee ist Teil von Verhandlungen zwischen dem MotoGP-Promoter auf der einen Seite sowie Herstellern und Teams auf der anderen und soll den Rahmen für die Zusammenarbeit in der Zeit von 2027 bis 2031 festlegen. Details sind bislang nicht bekannt.
Der Ursprung des Vorschlags soll bei den Herstellern gelegen haben. Als Hauptziel wird genannt, die Kosten zu senken. Sollte die Maßnahme umgesetzt werden, wird erwartet, dass Teams ihre Strukturen verschlanken könnten – unter anderem durch eine geringere Anzahl an Technikern. Konkrete Einsparungen lassen sich laut Bericht jedoch schwer beziffern.
Da es sich um eine regulatorische Änderung handelt, müsste der Vorschlag formell durch die vorgesehenen Abstimmungsverfahren und anschließend die Zustimmung der Grand Prix Commission erhalten. Erst danach könnte die neue Regel in Kraft treten.
Für die Fahrer und Teams hätte eine Umstellung auf nur ein Motorrad pro Person weitreichende Folgen. Der Bericht stellt dabei einen Vergleich zu den Klassen Moto2 und Moto3 her: Dort fahren die Fahrer seit 2010 mit nur einem Motorrad, auch wenn Teams weiterhin in der Lage sind, aus Ersatzteilen im Truck theoretisch ein zweites komplettes Bike aufzubauen. Der „logischste“ Ablauf im Falle einer MotoGP-Umsetzung könnte sich allerdings eher an der Praxis in der WorldSBK orientieren: Dort gilt offiziell ebenfalls „ein Motorrad pro Fahrer“, während ein zweites Bike entweder am hinteren Bereich der Box oder im Truck bereitsteht – allerdings ohne Zulassung für den Einsatz.
Kommt es zu einem schweren Unfall und ein entscheidender Bauteil wie etwa das Chassis ist irreparabel beschädigt, können Teams die technischen Inspektoren der Meisterschaft um eine Freigabe bitten. Diese prüfen den Schaden und müssen die „versteckte“ Ersatzmaschine autorisieren, bevor sie auf die Strecke darf. Damit soll sichergestellt werden, dass der Ersatz nicht einfach jederzeit ohne Prüfung genutzt wird.
Der Bericht verweist zudem auf ein historisches Beispiel aus der Formel 1: Dort hatte die FIA bereits vor der Saison 2008 sogenannte Ersatzwagen („T-cars“ oder „mules“) verboten – ebenfalls mit dem Kostenargument.
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft den Rennablauf bei sogenannten „Flag-to-Flag“-Wetterbedingungen. In der MotoGP existiert dieses Verfahren seit nahezu 20 Jahren; eingeführt wurde es erstmals beim Australian Grand Prix 2006. In der aktuellen Praxis können Fahrer bei nassen Rennen, wenn sich die Wetterlage ändert, in die Boxengasse fahren, von einem Motorrad absteigen und auf ein zweites wechseln, das bereits mit passenden Reifen und Setup für die Bedingungen vorbereitet ist. Dieser Wechsel dauert normalerweise nicht länger als etwa drei Sekunden.
Würde das neue Format mit nur einem offiziell verfügbaren Motorrad genehmigt, wäre dieses System in der bisherigen Form zumindest nicht mehr ohne Weiteres umsetzbar. Der Bericht deutet an, dass sich das Vorgehen dann eher an der WorldSBK-Logik orientieren müsste: In der Produktion-basierten Serie müssen Fahrer in der Garage anhalten, während Mechaniker den Reifenwechsel durchführen – unter einer vorgeschriebenen Mindestdauer des Boxenstopps, um gefährliche Wiedereinstiege zu verhindern.
Insgesamt zeigt sich: Die MotoGP diskutiert nicht nur eine technische oder organisatorische Anpassung, sondern eine Änderung, die sowohl die Kostenstruktur als auch die Strategie im Rennen – insbesondere bei Wetterwechseln – deutlich beeinflussen könnte. Ob und wie die Details am Ende aussehen, hängt nun von den weiteren Verhandlungen und dem formellen Genehmigungsprozess ab.