MOTOGP-SPORTCHEF NIMMT SICHERHEITSPLÄNE NACH ZARCO-CRASH IN DEN FOKUS
29 May·
Nach den schweren Stürzen von Alex Marquez und Johann Zarco in der jüngsten MotoGP-Saison steht das Thema Sicherheit im Fahrerlager erneut im Mittelpunkt. Obwohl beide Fahrer nach ihren Unfällen ohne lebensgefährliche Verletzungen davonkamen, haben die Bilder der Vorfälle die Debatte über die Risiken im Rennbetrieb weiter angefacht. Besonders der Crash von Johann Zarco sorgt dabei für anhaltende Diskussionen, weil er sich in einer Phase ereignete, in der die Dichte im Feld hoch ist und die Geschwindigkeit in der Anbremszone bereits deutlich anzieht.
Laut den Berichten aus dem Umfeld der MotoGP wurde Zarco unmittelbar nach dem (zweiten) Start in der Anbremsphase im Sog zu Fall gebracht. Der Franzose kam dabei in das Motorrad von Ducati-Werksfahrer Francesco Bagnaia. In der Folge wurde Zarco regelrecht in die Desmosedici eingewickelt: Sein linkes Bein geriet zwischen Schwinge und Heck des Prototyps. Dass es trotz dieser Mechanik nicht zu lebensbedrohlichen Verletzungen kam, wird als großes Glück eingeordnet, zugleich aber als Anlass verstanden, mögliche Schutz- und Prozesslücken zu prüfen.
Carlos Ezpeleta, sportlicher Leiter der Motorrad-Straßenweltmeisterschaft und Sohn von MotoGP-CEO Carmelo Ezpeleta, betonte zunächst im Live-Feed, dass für die Verantwortlichen die Gesundheit der Betroffenen an erster Stelle steht. Er zeigte sich erleichtert, dass Alex und Johann den Umständen entsprechend gut gehen. Im Anschluss verwies Ezpeleta auf die formalen Abläufe während des Events: Man habe umgesetzt, was man sich als Maßstab gesetzt habe, und sei zu keinem Zeitpunkt davon abgewichen. Vor diesem Hintergrund verteidigte er auch die Entscheidung, einen dritten Start durchzuführen. Diese sei fair erfolgt, während die verunfallten Fahrer bei Bewusstsein und in besten Händen gewesen seien.
Im zweiten Teil seiner Ausführungen sprach Ezpeleta konkrete Felder an, die in die kommenden Treffen der Sicherheitskommission einfließen sollen. Insgesamt nannte er vier Themenbereiche, die sowohl organisatorische Aspekte als auch technische Lösungen betreffen.
Erstens soll die Startaufstellung genauer betrachtet werden. Ezpeleta bezeichnete dies als „sehr großes Thema“ und kündigte an, zu prüfen, ob eine andere Aufstellung oder mehr Platz in der ersten Phase des Starts sowie bei der Anfahrt zur ersten Kurve sinnvoll wäre. Zweitens geht es um die Startvorrichtungen, namentlich das sogenannte Holeshot-Device, und um die Frage, ob ein Verbot dieser Vorrichtung die Sicherheit verbessern könnte. Hier kündigte Ezpeleta an, dass der Austausch mit den Fahrern eine zentrale Rolle spielen werde.
Drittens sollen mögliche Änderungen oder zusätzliche Vorrichtungen an den Bikes geprüft werden. Als Ansatz wurde dabei die Idee genannt, einen Schutz zu definieren, der verhindern soll, was Zarco passiert ist – also eine Art Abdeckung zwischen Schwingen- und Heckbereich. Die Überlegung zielt darauf ab, die Kontakt- und Einwickelmechanik in bestimmten Sturz- oder Kollisionsepisoden zu entschärfen.
Viertens wurde auch ein technischer Aspekt aus einem anderen Vorfall aufgegriffen: der Unfall bzw. Defekt am Bike von Pedro Acosta, der in der Debatte ebenfalls eine Rolle spielte. Ezpeleta erwähnte die Überlegung, an den Motorrädern eine Warnvorrichtung zu installieren, die bei einem Defekt aktiviert wird. Gleichzeitig wurde aber auch betont, dass diese Maßnahme im konkreten Fall vermutlich nicht verhindert hätte, was geschah, da Alec Marquez sehr nah hinter Pedro fuhr.
Trotz der Breite der angesprochenen Punkte machte Ezpeleta deutlich, dass viele Änderungen frühestens zum Start der Saison 2027 umgesetzt werden könnten. Insbesondere das Thema Startaufstellung würde eine massive Veränderung darstellen, die sehr genau bewertet werden müsse. Eine Ausnahme bildet jedoch die Diskussion um Starthilfen: Bereits bekannt ist, dass das Holeshot-Device ab 2027 nicht mehr erlaubt sein wird. Entsprechend sollen die damit verbundenen Sicherheitsdiskussionen eher zu einem späteren Zeitpunkt abgeschlossen werden, falls man noch zusätzliche Anpassungen im Sinne der Sicherheit vornehmen will.
In der Gesamtschau zeigt die Stellungnahme, dass die MotoGP die Ereignisse nicht nur als Einzelfälle betrachtet, sondern als Anlass für eine strukturierte Sicherheitsüberprüfung. Dabei werden sowohl die Abläufe rund um Start und Rennprozess als auch technische Schutzkonzepte und mögliche Informationssysteme in den Blick genommen – mit einem Zeithorizont, der vor allem auf 2027 ausgerichtet ist.