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PIRELLI-RENNSPORTCHEF BARBIER: „DIE MOTOGP IST EIN ANDERES BIEST“

2 Jun·

Pirelli bereitet sich auf den Einstieg als exklusiver Reifenpartner der MotoGP vor und sieht die Umstellung auf die 850-ccm-Ära als zentrale Herausforderung. Nachdem der italienische Reifenhersteller bereits seit 2024 in den „Feeder“-Klassen Moto3 und Moto2 mit Pirelli-Reifen vertreten ist, wurde im März 2025 offiziell, dass Pirelli die zehnjährige Partnerschaft mit Michelin in der Königsklasse beendet und ab 2027 als Exklusiv-Partner der MotoGP antritt. Damit werden erstmals seit der modernen MotoGP-Ära wieder Pirelli-Reifen auf 850-ccm-Maschinen eingesetzt.

Rund sechs Monate nach der Ankündigung fanden erste Tests statt. Nach dem Misano-Test konnten Testpiloten der Werksteams erste Eindrücke mit Pirelli-Prototypen sammeln – allerdings noch auf Motorrädern der aktuellen 1000er-Generation. Drei Monate später, im Dezember 2025, wurde dann die erste MotoGP-Runde mit einer 850er auf Pirelli absolviert. Als erster Hersteller gelang es KTM, die neue Technologie auf Asphalt umzusetzen. In der Folge haben alle Hersteller erste Erfahrungen gesammelt und die Hardware für den Roll-out im Hinblick auf 2027 vorbereitet.

Aktuell befindet sich die Entwicklung in einer „heißen Phase“. In den kommenden Wochen sollen erstmals alle Werksteams zu einem offiziellen Test mit den Pirelli-850ern nach Brünn ausrücken. Pirelli-Rennsportchef Giorgio Barbier beschreibt die MotoGP dabei als „ein anderes Biest“: Die Königsklasse sei keine beliebige neue Rennserie, in der man einfach zusätzliche Aktivitäten startet. Gleichzeitig versucht Pirelli, die Aufgabe auf die wesentlichen Aspekte herunterzubrechen, um die Entwicklung strukturiert voranzutreiben.

Als größte Schwierigkeit hebt Barbier hervor, dass Pirelli bei der 850er-Umstellung praktisch keine verlässlichen Informationen über die auszustattenden Motorräder hatte. Da die 850er für alle Hersteller neu sind, konnte zunächst niemand absehen, wie die jeweiligen Konzepte mit den Reifen funktionieren würden. Mittlerweile habe man jedoch ein klareres Bild und erste Daten – und Barbier betont dabei eine positive Überraschung: In seiner Karriere habe er so etwas noch nie erlebt, dass fünf Hersteller so offen und kooperativ seien. Diese Offenheit sei auch ein wesentlicher Vorteil für Pirelli gewesen, insbesondere im Umfeld der Tests.

Barbier verweist auf den Misano-Test als Beispiel: Er habe zunächst mit großer Geheimhaltung gerechnet, doch das Gegenteil sei der Fall gewesen. „Nichts wurde verheimlicht“, der Austausch sei in jeder Hinsicht unkompliziert, offen und ehrlich gewesen. Pirelli geht davon aus, dass man genau durch diese Transparenz gemeinsam schneller mit der Aufgabe wachsen kann. Im Fahrerlager genieße Pirelli zudem ein starkes Image, das aus dem langjährigen Entwicklungsprojekt in der Superbike-WM resultiert. Der Rennsportchef ordnet das auch als Erfolgsdruck ein: Als Pirelli in die Superbike-WM kam, sei man zunächst „ein Niemand“ gewesen, während die Konkurrenz als „Götter“ gegolten habe. Über die Jahre habe man sich jedoch durch Lernen und konsequente Entwicklung einen Weg erarbeitet – und diese Erfahrung soll nun beim Einstieg in die MotoGP helfen.

Für die weitere Arbeit nennt Barbier einen klaren methodischen Ansatz: Auch in der MotoGP gehe es letztlich „nur mit Daten und Erfahrung“. Bislang lägen allerdings erst Informationen von vier Strecken vor, der Weg sei also noch lang. Pirelli will die Entwicklung jedoch kontinuierlich vorantreiben – mit derselben Methodik, die bereits in Moto2 und Moto3 geholfen habe, die Leistung der Produkte Schritt für Schritt zu verbessern. Insgesamt steht die Vorbereitung auf die ersten umfassenden offiziellen 850er-Tests in Brünn im Mittelpunkt, während Pirelli die Zusammenarbeit mit den Herstellern als Schlüssel sieht, um die neue Reifen- und Entwicklungsaufgabe in der MotoGP effizient zu bewältigen.

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