TOPRAK RAZGATLIOLU PASST SICH AN MOTOGP-FARTHMUS AN, BORSOI VERGLEICHT MIT QUARTARARO
20 May·

Toprak Razgatlioglu arbeitet nach Einschätzung von Pramac-Teamchef Gino Borsoi weiter daran, sich an den MotoGP-Fahrstil anzupassen – und dabei gezielt Elemente zu übernehmen, die mit Yamaha-Spitzenreiter Fabio Quartararo in Verbindung gebracht werden. Borsoi beschreibt Razgatlioglu nicht als „schlecht fahrend“, sondern als Fahrer, der „anders fährt“ als in der MotoGP üblich, und betont, dass diese Unterschiede aus seiner Superbike-Vergangenheit stammen. Der entscheidende Punkt sei jedoch: Der Wechsel in die MotoGP erfordert zwangsläufig eine Anpassung an die Reifen und an die spezifischen Eigenschaften der MotoGP-Maschine.
Borsoi macht zugleich deutlich, warum der Prozess nicht in kurzer Zeit abgeschlossen werden kann. Eine radikale Umstellung des Fahrstils sei während eines Rennwochenendes kaum möglich, weil dafür Zeit verloren ginge – und Zeitverlust im Motorsport praktisch immer mit dem Ziel kollidiert, sofort Ergebnisse zu erzielen. „Wenn man den Fahrstil ändern will, muss man Zeit verlieren“, so Borsoi sinngemäß. Deshalb erwartet er eine Phase mit Rückschritten, bevor sich die Arbeit auszahlt: Razgatlioglu werde zunächst „zwei Schritte zurück“ gehen, bevor daraus „vier Schritte nach vorn“ werden, sobald „alles in Sync“ ist.
Dass der Lernprozess bereits Wirkung zeigt, sieht Borsoi in den Daten. In vielen Kurven sei Razgatlioglu schon dabei, „wie Quartararo zu fahren“. Als Maßstab nennt Borsoi den Abstand im Rennen: Quartararo sei der Benchmark, doch es habe Momente gegeben, in denen Razgatlioglu sogar nur etwa eine halbe Sekunde hinter den Führenden Rundenzeiten gefahren sei. Auch wenn das Gesamtresultat in Katalonien nicht überzeugend war, sieht Borsoi damit eine Grundlage für die weitere Entwicklung.
Das Catalunya-Wochenende verlief für Razgatlioglu allerdings schwierig. Auf dem rutschigen Kurs musste er sich in der Qualifikation mit dem letzten Platz begnügen und beendete den Sprint nur vor Augusto Fernandez (Yamaha-Wildcard). Im Grand Prix selbst schien er zunächst nur noch den letzten Punkt zu holen, bevor sich das Ergebnis durch eine Entscheidung nach dem Rennen veränderte: Razgatlioglu und Teamkollege Jack Miller gehörten zu fünf Fahrern, die wegen eines Reifen-Druckverstoßes nachträglich eine Strafe erhielten. Dadurch fiel Razgatlioglu auf den 16. Platz zurück. In der anschließenden zweiten Zeitmessung nach dem Rennen, dem Post-Race-Test, beendete er den Tag mit Rang 19 (+1,257 Sekunden).
Neben dem Fahrstil spielte für Pramac auch die technische Arbeit am Montagstest eine Rolle. Borsoi erklärte, dass das Team die Gelegenheit genutzt habe, verschiedene Upgrades zu testen – darunter ein neues Chassis sowie neue Aerodynamik-Lösungen. Besonders Razgatlioglu habe sich mit dem neuen Chassis in den Kurven besser gefühlt. Auch bei der Aerodynamik habe es positive Rückmeldungen gegeben: Für Jack Miller sei das Motorrad dadurch „leichter in die Kurven zu legen“ gewesen; Borsoi sagt, Quartararo habe offenbar Ähnliches empfunden. Daraus leitet er ab, dass man „etwas gefunden“ habe.
Offen blieb dagegen weiterhin ein zentraler Punkt: Borsoi bestätigte, dass es keine Neuigkeiten zu einem Motor-Update gibt, das den aktuellen Nachteil in den Geraden der neuen V4-Motoren adressieren soll. Damit bleibt der Fokus zunächst auf Fahrstil-Anpassung und den bereits getesteten Chassis- und Aerodynamik-Änderungen.
Insgesamt zeichnet Borsois damit ein zweigeteiltes Bild: Einerseits zeigt Razgatlioglu erste Fortschritte in Richtung Quartararo-Linie, andererseits braucht die Umstellung laut Teamchef Zeit – und das technische Paket wird parallel weiterentwickelt, während beim Motor vorerst keine Lösung in Sicht ist.