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DUCATI-CHEF: OHNE VALENTINO ROSSI FEHLT ITALIEN MARKTANTEIL

26 May·

🇬🇧

Ducati-Corse-Teamchef Davide Tardozzi sieht für die jüngste Entwicklung der MotoGP in Italien mehrere gegenläufige Faktoren. Einerseits habe sich die Meisterschaft unter dem neuen Eigentümer Liberty Media in eine Phase der Erholung und des Wachstums bewegt: Der Rennkalender werde erweitert, und die Zuschauerzahlen an den Events seien wieder im Steigen. Andererseits sei Italien in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren gegangen – und Tardozzi macht dafür vor allem zwei Punkte verantwortlich: das Ende der Karriere von Valentino Rossi und die Verlagerung weg vom frei empfangbaren Fernsehen.

Rossi habe nach seiner Rückkehr aus dem aktiven Motorsport Ende 2021 als überragender Star gefehlt. Tardozzi betont dabei nicht nur die sportliche Bedeutung, sondern vor allem die Reichweite: Rossi sei ein „Hero“ gewesen, der auch Menschen erreicht habe, die sich sonst nicht intensiv mit MotoGP beschäftigen – sogar bis in die „Großmütter“-Schicht. In seiner Sicht habe Rossi dafür gesorgt, dass viele Zuschauer die Rennen überhaupt einschalteten. Mit seinem Wegfall sei diese Zugkraft in Italien spürbar geringer geworden.

Als zweiter Bremsfaktor folgt für Tardozzi der Medienzugang. Er kritisiert, dass die MotoGP zunehmend über Pay-TV verbreitet werde. Pay-TV-Sender zahlten zwar „gutes Geld“ und deshalb würden Veranstalter und Rechteinhaber verständlicherweise in diese Richtung tendieren, doch aus Sicht des Ducati-Bosses helfe das dem Sport nicht. Tardozzi stellt zudem klar, dass er nicht beurteilen könne, wie die Vermarktungsstrategie der neuen Eigentümer konkret aussehen werde, zeigt sich aber überzeugt, dass sich das Pay-TV-Zeitalter nicht einfach „zurückdrehen“ lasse.

Trotz dieser Einordnung verweist der Ducati-Chef auf eine positive Entwicklung in den letzten Jahren, die zumindest teilweise die früheren Probleme überdeckt. Als Beispiel nennt er den Großen Preis von Italien in Mugello: 2022 habe das Wochenende lediglich knapp über 74.000 Zuschauer angezogen. Im Folgejahr sei die Zahl stark gestiegen – auf 166.074, was laut Bericht das größte Wochenende in zwei Jahrzehnten gewesen sei. Ähnlich positive Signale sieht Tardozzi auch in Misano: Dort seien im Vorjahr 174.000 Zuschauer gekommen.

Für diese Belebung macht er neben der allgemeinen Entwicklung der Meisterschaft auch die sportliche Dynamik verantwortlich. Ducati sei in den vergangenen Jahren erfolgreich gewesen, und inzwischen trage auch der Aufstieg von Aprilia zur Attraktivität bei. Tardozzi ordnet das Wachstum damit als Zusammenspiel aus sportlicher Relevanz und Vermarktungsarbeit ein.

Darüber hinaus zieht er einen Vergleich zu Formel 1 und Liberty Media. Er sei beeindruckt, dass die Stadien der F1 offenbar bereits früh am Wochenende gut gefüllt seien, obwohl die Ticketpreise dort teils deutlich höher seien als in der MotoGP. Das lasse ihn vermuten, dass MotoGP möglicherweise an anderer Stelle Fehler in der Vermarktung oder Planung mache. Gleichzeitig betont er, dass die MotoGP nicht einfach in Richtung „Las Vegas, Dubai oder Monte Carlo“ umziehen könne: Die Rahmenbedingungen seien anders, und Sicherheit sei im Motorrad-Rennsport ein wesentlich stärkerer Faktor.

In Summe beschreibt Tardozzi eine Lage, in der die MotoGP in Italien zwar wieder wächst, die Ursachen für frühere Rückgänge jedoch weiterhin klar benannt werden: der Verlust von Valentino Rossi als Reichweitenmotor und die Umstellung auf Pay-TV, die seiner Ansicht nach die Breitenwirkung des Sports begrenzt.

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