Skip to content
64°

TARDOZZI: ROSSI WAR EIN STAR UND HELD – AUCH FÜR „OMAS“

23 May·

Ducati-Teammanager Davide Tardozzi hat im Gespräch mit SPEEDWEEK.com die Vermarktungs- und Reichweitenentwicklung der MotoGP in Italien angesprochen. Ausgangspunkt ist die veränderte Mediennutzung: In vielen europäischen Ländern seien Streaming- und Pay-TV-Angebote inzwischen für Haushalte selbstverständlich, während klassisches Free-TV zunehmend nur durch öffentlich-rechtliche Finanzierung über Gebühren existiere. Für Sportvermarktungsagenturen entstehe daraus eine Gratwanderung zwischen möglichst großer Reichweite im Free-TV und den wirtschaftlich attraktiveren Erlösen aus Pay-TV-Deals. Gleichzeitig bestehe das Risiko, dass Sportarten, die ausschließlich im Pay-TV laufen, aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

Tardozzi ordnete diese Dynamik konkret am Beispiel MotoGP in Italien ein. Er sagte, Ducati habe in den vergangenen Jahren dort Marktanteile verloren. Als wesentlichen Faktor nannte er das fehlende Zugpferd Valentino Rossi: „Valentino Rossi war ein Star, ein Held sogar für Omas. Er hat dafür gesorgt, dass sie sich die MotoGP anschauten.“ Nach seiner Einschätzung habe Rossi damit eine Reichweite erzeugt, die über die reine Motorsport-Fangemeinde hinausging. Demgegenüber sei Pecco Bagnaia zwar seit einigen Jahren in Italien deutlich bekannter und Ducati sowie Aprilia leisteten bei der Promotion gute Arbeit, doch „dass wir Valentino Rossi nicht mehr haben, ist ein Problem“.

Der Teammanager stellte zudem klar, dass Pay-TV allein die Situation nicht automatisch verbessert. Zwar müsse die Pay-TV-Welt „überleben“ und Sender zahlten „gutes Geld“, wodurch Organisatoren in diese Richtung tendierten. Gleichzeitig äußerte Tardozzi Unsicherheit darüber, wie es mit der Vermarktung unter den neuen Eigentümern weitergehen werde. Er bezog sich dabei auf Liberty Media, den Eigentümer der MotoGP Sports Entertainment Group, und verband damit die Hoffnung auf einen ähnlichen Vermarktungs- und Wertschub wie in der Formel 1. Ein solcher Effekt würde laut Tardozzi mit einer massiven Wertsteigerung der Serie einhergehen.

Als Indiz führte er die Formel-1-Preise und die Auslastung der Tribünen an: „Ich bin erstaunt, wenn ich mir die Preise für die Tickets in der Formel 1 anschaue, und die Tribünen sind alle von Freitagmorgen an voll.“ Das lasse ihn darüber nachdenken, ob man in der MotoGP irgendwo Fehler mache. Er betonte jedoch auch die Unterschiede: Die MotoGP könne nicht „nach Las Vegas, Dubai oder Monte-Carlo“ gehen, weil Rahmenbedingungen und vor allem Sicherheitsaspekte anders seien. Diese Unterschiede machten einen „großen Unterschied“.

Insgesamt verband Tardozzis Einschätzung die Frage nach Reichweite und Vermarktungsstrategie mit dem Einfluss von Stars auf die öffentliche Aufmerksamkeit sowie mit den strukturellen Grenzen der MotoGP im Vergleich zur Formel 1.

View sources